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Rubrik: Umwelt

Deutschland beantragt Meeresschutzgebiet Weddellmeer in der Antarktis

Samstag, 22. Oktober 2016, 10:28

Die Europäische Union hat den von Deutschland ausgearbeiteten Antrag auf ein Meeresschutzgebiet (MPA) im antarktischen Weddellmeer bei der Internationalen Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) eingereicht. Das wissenschaftliche Fundament dazu lieferten Forscher des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Eisberg im Weddellmeer

Treibender Eisberg im Weddellmeer, Foto: © Alfred-Wegener-Institut/Mario Hoppmann

Das Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis war am 20. Mai 1980 von 14 Staaten unterzeichnet worden und ist am 7. April 1982 in Kraft getreten. Die 35. Sitzung der CCAMLR findet vom 17. bis 28. Oktober 2016 in Hobart (Tasmanien) statt. Ihre Mitglieder müssen einstimmig über die Einrichtung des Schutzgebietes entscheiden.

Die Kommission, der 24 Mitgliedstaaten und die Europäische Union angehören, erarbeitet derzeit in einem mehrjährigen Prozess die wissenschaftlichen Grundlagen für ein repräsentatives Netzwerk mariner Schutzgebiete im Südpolarmeer. Das Weddellmeer ist eine von insgesamt neun Planungsregionen im CCAMLR-Vertragsgebiet des gesamten Antarktischen Ozeans. Der von Deutschland erarbeitete Schutzgebietsvorschlag umfasst eine Fläche von rund 1,8 Millionen Quadratkilometern, fünf Mal so groß wie Deutschland. Es würde das mit Abstand größte Meeresschutzgebiet der Welt werden.

WalePfannkucheneisFS Polarstern

Im Weddellmeer leben rund 14.000 Tierarten in ganz unterschiedlichen Lebensgemeinschaften. Meeresbiologen vergleichen die Artenvielfalt des Südpolarmeeres deshalb mit der Diversität tropischer Riffe. Seit der Entdeckung des Weddellmeeres im Jahr 1823 hat es in dieser Meeresregion bedingt durch die nahezu unschiffbaren Eisverhältnisse nie eine kommerzielle Fischerei gegeben. Es ist damit eine der letzten, fast unberührten Regionen der Antarktis, in der das natürliche Gleichgewicht bisher erhalten blieb.

Polarlichter

Polarlichter über der deutschen Antarktis-Forschungsstation Neumayer-Station III, Foto: © Stefan Christmann, Alfred-Wegener-Institut

Extremer als im Weddellmeer können die Lebensbedingungen für Meerestiere kaum sein. Seine Bewohner müssen jederzeit Energie sparen und haben dafür einmalige Techniken entwickelt. Eisfische zum Beispiel bilden Frostschutz-Proteine, welche ein Gefrieren ihres Blutes verhindern. Das Weddellmeer ist auch ein Meer der großen Vögel. In der Nähe seiner Küsten brüten in jedem Sommer mehr als 300.000 Paare des Antarktischen Sturmvogels. Auf dem Meereis erblickt derweil ein Drittel aller Kaiserpinguine das Licht der Welt. Ihre Elterntiere gehen im Weddellmeer auf die Jagd nach Krill und Antarktischem Silberfisch um sich ihre Fettreserven anzufressen. Die Krill- und Fischvorkommen im Weddellmeer werden auch von vielen Meeressäugern genutzt. Wissenschaftler haben bisher sechs Robbenarten und zwölf Walarten dokumentiert. Die bekanntesten Vertreter der Großwale sind Buckelwale, Schwertwale, Blauwale und Antarktische Zwergwale.

Anlässlich der 35. Sitzung der CCAMLR vom 17. bis 28. Oktober 2016 in Hobart (Tasmanien) erklärt Bundeslandwirtschafts- und Fischereiminister Christian Schmidt: „Das Weddellmeer gehört zu den letzten, nahezu unberührten Regionen der Antarktis. Das Meeresschutzgebiet soll allein der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten bleiben und die internationale Kooperation auf diesem Gebiet stärken. Beides bildet die Säulen des Antarktisvertrages. Es ist unsere historische Aufgabe, einzigartige Ökosysteme wie die Antarktis zu schützen."

Die Direktorin des Alfred-Wegner-Institutes Prof. Dr. Karin Lochte ergänzt:"Im Weddellmeer befinden sich einzigartige biologische Schatzkammern und Schlüsselarten, die es zu bewahren gilt. Unsere Untersuchungen zeigen, dass der Klimawandel bisher wenige Auswirkungen auf diese Meeresregion hat. Dies bedeutet, dass dem Weddellmeer eine wichtige Funktion als Rückzugsort für kälteliebende Arten zukommt. Außerdem ist die Region ein wertvolles Referenzgebiet für die wissenschaftliche Grundlagenforschung. Deshalb haben wir selbst großes Interesse daran, dass künftige Forschungsarbeiten in diesem einzigartigen und weitgehend unberührten Gebiet nicht durch zerstörerische menschliche Aktivitäten gefährdet werden."

Infos: www.awi.de und www.bmel.de.

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