TauchJournal - abtauchen im netz
RSS-Feed TauchJournal aud Facebook
» News » Biologie » Ein Tiefsee-Oktopus, der sich von Quallen ernährt

Rubrik: Biologie

Ein Tiefsee-Oktopus, der sich von Quallen ernährt

Donnerstag, 30. März 2017, 10:28

Die offenen Ozeane sind die größten Lebensräume der Erde. Fische und Tintenfische können hier enorme Größen erreichen. Trotz ihrer Größe sind viele Fragen zum Leben dieser Hoch- und Tiefseetiere bis heute nicht geklärt

Haliphron atlanticus

Ein weiblicher Haliphron atlanticus mit einer Spiegeleiqualle in seinen Fangarmen, Foto: © 2013 MBARI (Screenshot Video)

Die schiere Größe und Tiefe der Ozeane sorgt dafür, dass es für uns Menschen äußerst schwierig ist, die Meeresbewohner zu studieren oder nur zu beobachten. Die Antworten auf einfache biologische Fragen zu finden, wie zum Beispiel, was ein Tier isst, kann Jahrzehnte dauern. Dank der Fortschritte in der Unterwasser-Technologie, die es Forschern ermöglichen, Tiefsee-Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten und neuartiges Verhalten zu entdecken, wird es zunehmend einfacher.

Henk-Jan Hoving vom GEOMAR in Kiel und Steve Haddock vom Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) haben jetzt im Fachmagazin Scientific Reports eine Studie über den Tiefsee-Oktopus Haliphron atlanticus veröffentlicht. Ihr überraschendes Ergebnis: Das riesige Raubtier ernährt sich von Quallen.

Haliphron atlanticusHaliphron atlanticusHaliphron atlanticus

MBARI-Forscher haben Haliphron atlanticus nur dreimal in 27 Jahren gesichtet. Diese Art wird selten lebendig beobachtet, und das meiste, was über sie bekannt ist, stammt von Exemplaren, die in Schleppnetznetzen gefangen wurden.

Haliphron atlanticus lebt in der Tiefsee, und der Großteil seines Lebens ist ein Rätsel. Die Tiere gehören zu einer Gruppe von Oktopoden namens Argonautoidea, die in der Regel klein sind, aber weibliche Haliphrone sind Riesen. Sie können so lang sein wie der vier Meter lange Riesen-Pazifik-Oktopus, aber sie können mit bis zu 75 Kilogramm fünfmal mehr wiegen. Die Männchen sind etwa 30 Zentimeter kleiner als die Weibchen.

MBARI-Wissenschaftler haben den Vorteil, schwer fassbare Tiefseearten wie Haliphron atlanticus mit dem Einsatz von ferngesteuerten UW-Fahrzeugen (ROVs) zu sichten. Wenn ein ROV einem Tier begegnet, können die Forscher mit hochauflösenden Videokameras heranzoomen und diesem folgen. Kürzlich traf traf das Team von Haddock während einer Tauchfahrt auf einen Haliphron, und als sie ihm folgten, waren sie überrascht, als es seine Arme ausbreitete: Der Oktopus hatte eine große Qualle fest im Griff.

Nach einer Recherche in den Videoarchiven des MBARI fanden Hoving und Haddock zwei weitere Aufnahmen der Tiere, de beide etwas in ihren Fangarmen hielten. Mindestens einer der Oktopoden umklammerte einen gallertartigen Organismus.

Hoving analysierte den Mageninhalt von fünf weiteren Haliphron-Exemplaren, und alle enthielten gallertartiges Zooplankton. Drei der Kraken hatten Mageninhalte, die leicht als Quallen identifizierbar waren. Eine Kombination der Sichtungen, der Analysen der Mageninhalte und einer Auswertung der Fachliteratur legen nahe, dass sich Haliphron atlanticus von gallertartigem Zooplankton ernährt.

Im offenen Ozean ist gallertartiges Zooplankton reichlich vorhanden und für einen langsames, großen Raubtier wie Haliphron eine leichte Beute. Auch andere große Meerestiere zum Beispiel Lederschildkröten, Thunfische und andere groß Fische essen Quallen. Das „Fleisch“ dieser geleeartigen Tiere wird allgemein als Nährstoffarm angesehen. Rätselhaft ist allerdings, dass die Tiere, die sie essen, sehr groß sind. Haddock nimmt an, dass das Nassgewicht eines Gelees zu einer signifikanten Biomasse führt, so das dass, was an Nährstoffen fehlt, durch Biomasse ersetzt werden könnte.

Hoving und Haddock halten es für wahrscheinlich, dass weibliche Haliphron atlanticus, nach dem Essen der bevorzugten nahrhaften Teile, den Quallenschrim mit den intakten stechenden Tentakeln als Werkzeug verwenden.

Da die weiblichen Haliphron atlanticus so groß sind, können sie die Quallen ganz in ihre Arme einschließen und noch schwimmen. Sie benutzen ihren Schnabel, um durch den Schirm der Qualle zu beißen, um auf die Verdauungshöhle zuzugreifen, um die darin enthaltene Nahrung zu verbrauchen und Zugang zu den nahrhafteren Teilen der Qualle zu haben. An diesem Punkt ist die Qualle tot, aber Schirm und Fäden sind noch intakt. Hoving und Haddock postulieren, dass, Haliphron atlanticus diese Teile der Qualle entweder zur Verteidigung oder zum Fangen weiterer Beute nutzt.

Infos: www.mbari.org.

Link zur Studie: www.nature.com/articles/srep44952.

Schlagwörter: , ,

Kurzlink:


TauchJournal-News per Mail abonnieren

RSS-Feed abonnieren RSS-Feed

Diesen Artikel weiterempfehlen:

ANZEIGE Mares

Untergegangen und vergessen – Die Wracks des Seegefechts bei Helgoland von 1914

Donnerstag, 31. August 2017, 09:08

Kleiner Kreuzer SMS Ariadne (Foto: Sammlung Deutscher Marinebund) Erste wissenschaftliche Untersuchungen an vier versenkten deutschen Schiffen in der Nordsee nach über 100 Jahren angelaufen Helgoland. Es war der 28. August 1914, der für vier Schiffe der Kaiserlichen Marine zum Verhängnis wurde. Der Erste Weltkrieg dauerte gerade knapp vier Wochen, als es nahe Helgoland zum ersten größeren Seegefecht zwischen der deutschen und der britischen Flotte kam. Für die Kaiserliche Marine war...

... mehr »

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.