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Rubrik: Wissenschaft

Einzigartig: wissenschaftliche Bakterien-Taucher

Mittwoch, 11. November 2015, 07:33

Ein CMAS-zertifiziertes Team von wissenschaftlichen Tauchern hat am Braunschweiger Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen seine Arbeit aufgenommen. Es ist bundesweit das einzige, das sich ausschließlich auf die Erforschung von Bakterien und anderen Mikroorganismen in ihrem natürlichen Lebensraum spezialisiert hat

Probenentnahme

Olga Jeske (rechts, DSMZ) und Peter Hornburger nehmen freischwebend Proben ohne das empfindliche Ökosystem zu beschädigen, Foto: © Christian Jogler/DSMZ

Mit der neu gebildeten Gruppe kann die DSMZ ihre Kernaufgaben, neue Mikrobenarten aufzuspüren, zu kultivieren und zu erforschen, auf bislang unzugängliche Unterwasserlebensräume ausdehnen. Die Wissenschaftler des Instituts gehen davon aus, auf diese Weise zahlreiche neue Organismen mit bislang unbekannten Eigenschaften entdecken zu können.

Die Idee, ein Team von wissenschaftlichen Tauchern zu etablieren, hatte DSMZ-Nachwuchsgruppenleiter Dr. Christian Jogler. „Bisher konnten wir in Meeren und Seen die Bakterienwelt nicht kleinräumig in komplexen Lebensräumen beproben und erforschen. Das ändert sich nun“, erläutert er. Zum Start umfasst das Team vier Personen. Alle sind erfahrene Mikrobiologen und haben zusätzlich eine professionelle CMAS-Ausbildung als wissenschaftliche Taucher absolviert. Das bedeutet zum einen, dass sie bei ihren Tauchgängen strenge Sicherheitsvorgaben erfüllen müssen, aber auch, dass sie in der Lage sind, flexibel und besonders umweltschonend zu arbeiten. „Wir sind speziell ausgebildet, um die Eingriffe in die empfindlichen Unterwasserlebensräume durch das Tauchen so gering wie möglich zu halten“, sagt Jogler. „Gleichzeitig bekommen wir den konkreten visuellen Eindruck vom Ort der Probe.“

Riesentang

Riesentang (Macrocystis pyrifera) mit Schwimmkörpern in der Bucht von Monterey (Kalifornien), Foto: © Christian Jogler/DSMZ

Zusammen mit Dr. Anne-Kristin Kaster, ebenfalls Nachwuchsgruppenleiterin an der DSMZ, plant Jogler nun eine Tauchexpedition zu den kalifornischen Tangwäldern in der Bucht von Monterey, rund 100 Kilometer südlich von San Francisco. Aufgrund ihres einzigartigen Artenreichtums gelten Tangwälder als die Regenwälder der Meere. Doch während die Pflanzen- und Tierwelt schon sehr gut erforscht ist, weiß man über die Mikroorganismen noch recht wenig.

„Genau hier wollen wir ansetzen“, erläutert Kaster. „Die Tangwälder sind aus mikrobiologischer Sicht eine riesige, noch unerforschte Schatzkiste. Hier liegt ein enormes Potential mikrobieller Funktionen versteckt.“ Die DSMZ-Wissenschaftler hoffen unter anderem, Organismen zu finden, die neue medizinische Wirkstoffe produzieren. In einer Pilotstudie konnten sie bereits nachweisen, dass in Tangwäldern Planktomyceten vorkommen, eine Gruppe ungewöhnlicher Meeresbakterien, die Stoffwechselprodukte mit antimikrobieller Wirkung herstellen. „Das macht uns optimistisch. Unser Ziel ist es, Grundstoffe für neue Antibiotika nachzuweisen“, so Kaster. Infos: www.dsmz.de/de/start.html.

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