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Rubrik: Umwelt

EU-Plastikstrategie: zögerlich gegen die Plastikflut

Donnerstag, 18. Januar 2018, 10:09

Die EU-Kommission hat am 16. Januar 2018 ihre Plastikstrategie veröffentlich. Bernhard Bauske, Referent für Meeresmüll beim WWF Deutschland, kommentiert kritisch:

Plastikmüll

Plastikmüll am Sylter Weststrand, Foto: © Olaf Klodt – www.sylt-im-bild.de

„Die grobe Richtung der EU-Plastikstrategie stimmt, aber das Tempo nicht. Die EU muss schneller und deutlicher konkreter handeln, um unseren Anteil an der weltweiten Plastikflut zu stoppen. Man muss die Hersteller aller Verpackungen und verpackten Produkten in der EU einheitlich stärker in die Pflicht nehmen, die Kosten für die Sammlung und Entsorgung vollständig zu tragen. Wir brauchen EU-weit einheitliche gesetzliche Regelungen mit Umsetzungsfristen, damit die viel beschworene erweiterte Produktverantwortung der herstellenden Unternehmen sich auch durchsetzt.

Viele EU-Länder, darunter Deutschland, exportieren außerdem große Mengen Plastikmüll nach Südostasien und verschärfen die gewaltigen Müllprobleme dort noch weiter. Nachdem China unseren Plastikmüll seit Jahresbeginn nicht mehr aufnimmt, darf sich der Müllexport nicht einfach verlagern sondern muss schwieriger oder überflüssig werden. Die Plastikstrategie der EU muss stärkere Anreize setzen und diese konkreter benennen, um die Recyclingfähigkeit von Verpackungen deutlich zu verbessern, damit qualitativ bessere Werkstoffe aus dem Recycling auf den Markt kommen. Gleichzeitig sollten die Anreize, in Europa mehr Recyclingkunststoffe in Produkten und Verpackungen einzusetzen statt sie nach Übersee zu exportieren, konkreter benannt werden.

Konkrete Vorgaben zur Einführung von gesetzlichen Regelungen zu Mikroplastik tauchen in der EU-Strategie leider nicht auf. Es ist praktisch unmöglich, die winzigen Plastikteile aus dem Meer zu fischen, wir müssen verhindern, dass Mikroplastik über Abwässer in Flüsse und Meere gelangt. Für Abwassereinleitungen von primärem Mikroplastik aus Industriebetrieben muss die EU gesetzliche Grenzwerte einführen. Auch ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetik und bei industriellen Anwendungen ist überfällig. Unsere Meere stehen kurz vor dem Müllkollaps, es ist begrüßenswert, dass die EU das Thema strategisch angehen will und übergeordnete Ziele formuliert, aber es fehlt die Zeit sich mit vagen Absichtserklärungen aufzuhalten, sondern wir brauchen einen konkreten Fahrplan, wann gesetzliche nationale Regelungen eingeführt und abgeschlossen sein müssen.“

Infos: www.wwf.de.

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