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Rubrik: Umwelt

Fischereibiologen zweifeln an UN-Datengrundlage zur Fischerei

Dienstag, 27. März 2012, 08:00

Eine nicht-repräsentative Datengrundlage und ein gesteigerter Aufwand für gleichbleibende Fänge verschleiern die Tatsache, dass mehr Fischbestände als allgemein angenommen durch Überfischung zusammengebrochen sind

Forschungs-Fischereihol

Sichten eines Forschungs-Fischereihols an Bord der "ALKOR" in der Eckernföder Bucht, Foto: Maike Nicolai

Darauf weisen Forscher des GEOMAR | Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Fisheries Centre der University of British Columbia in zwei aktuellen Veröffentlichungen hin. In den Fachmagazinen „Marine Policy" und „Marine Biology" zeigen sie formale Schwächen in der Datenermittlung auf, welche die Basis für Berechnungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bildet. Nach Ansicht der Wissenschaftler sind nicht drei, sondern 24 Prozent der globalen Fischbestände kollabiert.

Wie viel Fisch steht der Weltbevölkerung jährlich pro Kopf zur Verfügung? Wie entwickelt sich die Fischereiwirtschaft verschiedener Länder? Wie geht es den unterschiedlichen Beständen? Antworten auf Fragen wie diese gibt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO). Seit 1995 veröffentlicht die Institution mit den Reports „State of the Worlds Fisheries and Aquaculture (SOFIA)" eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der weltweiten Fischereiwirtschaft. Doch an genau dieser Datensammlung üben Forscher des GEOMAR | Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Fisheries Centre der University of British Columbia Kritik.

Dr. Rainer Froese

Dr. Rainer Froese bei einer Anhörung zur Reform der europäischen Fischerei im polnischen Parlament, Foto: Marta Szczypek

„Im Report SOFIA 2010 bezeichnet die FAO die weltweiten Fänge von etwa 80 Millionen Tonnen als stabil", fasst Dr. Rainer Froese zusammen. Der Fischereibiologe des GEOMAR ist Hauptautor einer der Studien, die in den genannten Fachzeitschriften erschienen sind. „Die FAO gibt an, dass die Zahl der Fischer schneller wächst als die Weltbevölkerung. Sie konstatiert auch eine Zunahme der Fischereifahrzeuge in Entwicklungsländern, hält die Gesamtzahl der Boote aber für gleichbleibend. Basierend auf einer früheren Studie zeigen wir, dass der Fangaufwand – also die Gesamtheit der Fischer, Boote, Netze, Haken und Einsatztage – beständig zunimmt. Es ist immer mehr Aufwand nötig, um denselben Ertrag zu erzielen. Das bedeutet aber, dass die Fischbestände schrumpfen."

Die Einbeziehung aller weltweit verfügbaren Daten ist nach Ansicht der Forscher unabdingbar für eine verlässliche Einschätzung des Zustands der globalen Fischereien. „Die Statistiken der FAO legen nur Bestände zugrunde, über die es ausführliche Informationen gibt", erklärt Froese. „Dies sind aber typischerweise Bestände, die hohe Erträge bringen und über lange Zeit hohen Fischereidruck überlebt haben." Eine solche Statistik, die vornehmlich auf besonders widerstandsfähigen Beständen beruht, könne nicht als repräsentativ gelten, kritisieren die Fischereibiologen. Froese: „Basierend auf dieser Stichprobe bezeichnet die FAO nur drei Prozent der globalen Bestände als zusammengebrochen. Wenn man stattdessen alle Bestände einbezieht, was unsere Methode erlaubt, dann liegt der Prozentsatz der nach Überfischung zusammengebrochenen Bestände achtmal höher, bei 24 Prozent." Die Zahl der sich erholenden Bestände ist dagegen gering: die Forscher und FAO schätzen sie übereinstimmend auf etwa ein Prozent der globalen Fischbestände. Infos: www.geomar.de.

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