TauchJournal - abtauchen im netz
RSS-Feed TauchJournal aud Facebook
» News » Umwelt » Fortpflanzungsgebiet für bedrohte Ostsee-Schweinswale entdeckt
Sea Explorers

Rubrik: Umwelt

Fortpflanzungsgebiet für bedrohte Ostsee-Schweinswale entdeckt

Samstag, 13. Dezember 2014, 08:48

Rund 450 Schweinswale leben in der zentralen Ostsee. Um diese Zahl zu erhalten, werteten Wissenschaftler des internationalen SAMBAH-Projekts erstmals eine zwei Jahre dauernde Aufzeichnung der Echoortungslaute der Tiere aus

Schweinswale

Ein seltener Anblick: Schweinswale in der zentralen Ostsee, Foto: © Solvin Zankl

Dabei zeigte sich zudem in den Sommermonaten eine erstaunliche Konzentration von Schweinswalen in einem Gebiet, in dem das Vorkommen der Tiere bisher nicht bekannt war: Südlich der schwedischen Insel Gotland liegt offenbar ein wichtiges Fortpflanzungsgebiet der Ostsee-Schweinswale.

Schweinswale nutzen ähnlich wie Fledermäuse die Echoortung zur Orientierung und Jagd. Wissenschaftler des SAMBAH-Projekts nahmen diese Laute zwei Jahre lang in der Ostsee auf und analysierten sie. Basierend auf diesen Daten schätzen die Forscher die Anzahl der Ostsee-Schweinswale auf 447 Tiere (95% Vertrauensbereich: 90-997).

Akustische Datenlogger, sogenannte C-PODs, registrierten die Echoortungslaute der Schweinswale. In allen acht EU-Ostseeanrainerstaaten wurden an insgesamt 304 Messstationen C-PODs in Wassertiefen zwischen 5 und 80 Metern ausgebracht. Das SAMBAH-Projekt ist somit eines der weltweit größten Forschungsvorhaben dieser Art und erfasst in grenzüberschreitender Zusammenarbeit Daten, um die Ostsee-Schweinswale zu erforschen. Schweinswale sind die einzige dauerhaft in der Ostsee lebende Walart, diese Population ist jedoch stark bedroht.

Positionen der Datenlogger (C-PODs)

Die Punkte auf der Karte zeigen die Positionen der Datenlogger (C-PODs) und Informationen zu der relativen Schweinswaldichte zwischen Mai und Dezember. Die gestrichelte Linie zeigt die saisonale Grenze der Populationen in der zentralen Ostsee und der Beltsee, Karte: SAMBAH Projekt

Anhand ihrer Daten erstellten die Wissenschaftler Karten, welche die räumlich-zeitliche Verteilung der Schweinwale in der Ostsee darstellen. Diese Karten zeigen eine klare räumliche Trennung der Schweinswalpopulationen der zentralen Ostsee und der westlichen Ostsee zwischen Mai und Dezember. In dieser Zeit kommen die Kälber zur Welt und die Schweinswale paaren sich.

Das nun ermittelte mutmaßliche Fortpflanzungsgebiet der zentralen Ostsee-Schweinswale befindet sich bei der schwedischen Midsjöbank, südlich der Insel Gotland. Bisher war nicht bekannt, dass in diesem Gebiet überhaupt Schweinswale vorkommen. Um die bedrohte Population effektiv zu schützen, ist der Schutz der Fortpflanzungsgebiete besonders wichtig.

Zudem wurden bisherige Forschungsergebnisse des Deutschen Meeresmuseums durch das SAMBAH-Projekt bestätigt: Schweinswale aus der dänischen Beltsee schwimmen im Sommer in die deutschen Gewässer bis vor Rügen und im Herbst zurück in die Beltsee.

Die Ergebnisse des SAMBAH Projektes wurden am 8. und 9. Dezember 2014 auf einer internationalen Konferenz im Kolmarden Wildlife Park, Schweden vorgestellt (http://sambah.org/Conference.htm). Infos: www.ozeaneum.de.

Schlagwörter: , ,

Kurzlink:


TauchJournal-News per Mail abonnieren

RSS-Feed abonnieren RSS-Feed

Diesen Artikel weiterempfehlen:

ANZEIGE Mares

Klimawandel bedroht die schönsten Plätze der Erde

Sonntag, 19. November 2017, 10:18

Laut eines von der Weltnaturschutzunion IUCN auf der UN-Weltklimakonferenz in Bonn, Deutschland, veröffentlichten Berichts ist die Anzahl der vom Klimawandel bedrohten Weltnaturerbestätten in nur drei Jahren von 35 auf 62 gestiegen, wobei Klimawandel die am schnellsten wachsende Bedrohung ist Der Bericht „IUCN World Heritage Outlook 2“ – der Nachfolgebericht des „IUCN World Heritage Outlook von 2014“ – bewertet zum ersten Mal, inwiefern sich die Aussichten für die Erhaltung aller 241...

... mehr »

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.