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Rubrik: Umwelt

Haie schützen oder schlachten – Südafrika, was machst du da?

Samstag, 8. April 2017, 16:26

Südafrika ist gesegnet! Es gibt wohl kaum ein Land auf dieser Erde, das so viel unberührte Schönheit aufweist und eine solch spektakuläre Artenvielfalt besitzt. Und die Republik Südafrika kümmert sich um den Erhalt seiner wertvollen Ressourcen durch Schutzzonen, Nationalparks und durch strenge Überwachung und Kontrolle von Ranger-Einheiten um Wilderern auf der Jagd nach dem seltenen Elfenbein, Rhinozeroshörnern oder begehrten Fellen das Handwerk zu legen

Kupferhai

Ein gefangener Kupferhai wird an Bord gehieft, Foto: © Jens Höptner

Die „Big Five“ sind hier zuhause und locken Jahr für Jahr viele tausend Touristen in die wundervolle Natur der Region am Kap. Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard sind Kernbestandteil einer ertragreichen Industrie: Dem Tourismus. Die Big „7" also die obigen Big5 plus Hai und Wal sind sogar Marketingschwerpunkt von Nationalparks!

Dass der Weiße Hai oder Haie insgesamt – außer bei Tauchern – nicht besonders gelitten sind, ist ja bekannt. Dass sie zu Abermillionen Jahr für Jahr – zumeist illegal – wegen ihrer Flossen abgeschlachtet werden, wird inzwischen auch nicht mehr so still hingenommen.

Da passt es grad überhaupt nicht ins Bild, dass das „Paradies“ Südafrika entgegen aller Erkenntnisse jetzt offizielle Lizenzen zur Hai-Langleinenfischerei an seinen Küsten vergibt und damit seinen eigenen guten Ruf und den florierenden Tauchtourismus aufs Spiel setzt.

Zusätzlich gelten Mako- und Blauhaie als „Gamefische" sind nicht geschützt und können von jedem der für umgerechnet sechs Euro eine Lizenz auf der Post kauft, geangelt werden. Das trifft auch auf Tigerhaie und weitere Haiarten zu. Nur in den MPA's (Marine Protected Areas) sind alle Tiere geschützt. Aber auch hier stellt sich Südafrika ein Bein, denn in dem ältesten Marine Nationalpark und MPA „Tsitsikamma" ist aus politischen Gründen seit letztem Jahr das Fischen erlaubt.

HaifangHaiFangschiffFangSandtigerhai

Jens Höptner ist einer von zahlreichen Südafrikafans in der großen europäischen Tauchgemeinde. Auch ihn zieht es immer wieder magisch zum Sardine Run oder in die artenreichen Gewässer an Südafrikas Ostküste in die Gegend um Port Elizabeth. Schon sieben Mal war der 51jährige Diplomingenieur aus Warnemünde in Südafrika. Surfen, Tauchen und die wundervolle Natur sind eine Mischung, die es für den engagierten Naturschützer in dieser Wucht nur hier gibt. Er ist grad wieder zurückgekehrt an die Ostsee und hat Bilder im Kopf, die ihn schockiert haben und seinen Glauben an die vernünftige Einsichtsfähigkeit des Menschen erschütterten.

„Wir waren unterwegs mit Rainer Schimpf von Expert Tours. Hinaus aufs Meer mit dem Hartkielschlauchboot auf der Suche nach den Sardinenschwärmen und auf der Suche nach Schnorchelerlebnissen mit Walen und Delfinen. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man beim Gleiten über das Meer von vielen Hundert, vielleicht gar tausenden Delfinen eskortiert wird. Wenn man Schwertwalen bei der Jagd zuschauen kann oder Zeuge des Spektakels „Sardine Run“ wird,“ schwärmt Höptner von seinen besonderen Erlebnissen an Südafrikas Ostküste.

Leider wurde er auf einer der Ausfahrten auch Zeuge eines ganz anderen Spektakels. Ein südafrikanisches Fischerboot dümpelte rund 45 Kilometer vor der Küste in der Region Algoa Bay vor sich hin und zog Hai um Hai aus dem Wasser. Gefangen mit der Langleine wurden junge Haie aber auch größere Exemplare wie ausgewachsene Kupferhaie mit eisernen Greifhaken an Deck gezogen. Ganz ungeniert und ohne sich von den „staunenden Tauchtouristen“ irritieren zu lassen. Warum denn auch, geschah dieses Spektakel doch ganz legal, mit offizieller staatlicher Genehmigung.

Jens Höptner

Unermüdlicher Kämpfer für die Haie: Jens Höptner

„Es war ein grausames Schauspiel und ich werde diese Bilder nie im Leben vergessen,“ fasste Jens Höptner knapp zusammen. Und Rainer Schimpf klärte auf: “Es werden Fanglizenzen vergeben für spezielle Grundhaiarten. Dass bei der Langleinenfischerei auch – natürlich ‚völlig unbeabsichtigt' – größere Haie anderer Arten als „Beifang“ mit an Bord der Fischdampfer landen, wird hier stillschweigend akzeptiert,“ berichtet Schimpf.

Welches Ausmaß die Schädigung des Haibestandes durch diese „marine Ressourcennutzung“ inzwischen hat, ist umstritten. Vermehrt treffen Taucher unter Wasser auf Haie, die mit durch Haken und Leinen entstellten Mäulern herumschwimmen oder gar mit Stahlhaken im Maul meterlange „Langlein-Fähnchen“ hinter sich herziehen. Unwürdige Bilder, die sich einbrennen und mit unberührter Natur und Respekt vor der Kreatur so rein gar nichts zu tun haben.

Jens Höptner jedenfalls will seine Taucher-Finger weiter in die Wunde legen. „Ich liebe dieses Land und kann jedem Südafrika als Reiseziel nur empfehlen. Nur was dort vor den Küsten gerade geschieht passt überhaupt nicht zu all dem, was die freundlichen Menschen, die wundervolle Natur und den Staat Südafrika bisher so ausgezeichnet hat,“ sagt der begeisterte Taucher und Surfer. Und er schrieb Briefe an die zuständigen Behörden in Südafrika. Seine Mails an die Tourismus- und Fischereibehörden der östlichen Kapregion blieben zunächst unbeantwortet. Später gab es die knappe Erklärung, dass das betreffende Schiff eine Lizenz zur Langleinenfischerei von Grundhaien besitze und keinesfalls illegal agiere.

Und auch die TUI als großer Reiseveranstalter in Südafrika, die sogar gezielt mit den spannenden Tauchgängen mit Haien gerade tauchende Kunden anspricht, fand aus Südafrika zunächst keine Antworten. Erst auf Nachbohren des aktiven Naturschützers gab es nun eine Antwort aus der TUI-Zentrale in Hannover: „Wir haben von den Genehmigungen zum Haifang erfahren. In diesem Zusammenhang möchten wir auf die Erkenntnisse der TEEB Studie hinweisen, in der der Wert beurteilt und erklärt wird, den der Erhalt des Ökosystems und der Biodiversität für eine Destination und seine Bewohner hat,“ schrieb Mike Brauner, Senior Manager Nachhaltige Entwicklung bei TUI.

Ein klares Statement sieht anders aus, aber immerhin ist die Problematik bei der TUI offenbar verstanden. Man hätte auch kurz und knapp formulieren können, dass es erwiesen ist, dass der ökonomische Wert einer starken Haipopulation deutlich höher ist, als die Summe, die der Verkauf geschlachteter Haie als Fleisch oder Flossenmaterial einbringt. Von Nachhaltigkeit, Ressourcenschutz und Respekt dem Lebewesen gegenüber einmal ganz abgesehen.

Und so wird es wohl weitergehen mit dem Widerspruch im Paradies. Mit wundervollen Sonnenuntergängen, den Herden von Elefanten, Büffeln, Zebras, Antilopen und Gazellen die die Savannen durchkreuzen. Löwen, Geparden, Hyänen und Geier, die ihnen ständig folgen, auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit. Und den Haien vor Südafrikas Küste, die blutige Spuren an den Bordwänden der Fischtrawler hinterlassen und dadurch eine gierige Gattung nähren, die gegen alle Gesetze der Vernunft verstößt.

Text: Harald Apelt

Weitere Informationen
TEEB: www.teebweb.org
Artikel zum ökonomischen Wert einer starken Haipopulation: www.business-biodiversity.eu

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2 Kommentare

    Tu-154 sagt:

    Der sch…. Kapitalismus mal wieder, es geht wie immer nur um den Profit, um nichts anderes.

    Antonietta sagt:

    „Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen.
    Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren.
    Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie anziehen.
    Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten.
    Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie ausbeuten."
    Die Tiere brauchen Ihre Hilfe!

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