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Rubrik: Umwelt

Japanische Walfänger setzen Jagd fort

Montag, 28. November 2016, 10:35

Obwohl beim diesjährigen Treffen der Internationalen Walfangkommission ein neues Verfahren zur Kontrolle des „Wissenschaftswalfangs“ beschlossen wurde, haben auch in diesem Jahr japanische Walfangschiffe den Hafen von Shimonoseki verlassen. Ihr erklärtes Ziel ist es, die zweite Phase des im Dezember 2015 gestarteten Forschungsplans „NEWREP-A" durchzuführen

Japanisches Walfangboot

Japanisches Walfangboot in der Antarktis, Foto: © Mark Votier/WDC

Eigentlich ist Walfleisch in Japan nicht so beliebt wie oftmals gedacht. Das Fleisch ist vielen Japanern zu trocken und hat zudem ein schlechtes Image als Nachkriegsessen, auf das man notgedrungen zurückgreifen musste, als es sonst nichts gab. Die Nachfrage nach Walfleisch in Japan ist heute so gering, dass es tonnenweise zu Hundefutter verarbeitet wird. Warum dann das japanische Beharren auf Walfang?

Ein Grund ist sicher das Selbstverständnis der japanischen Nation, die auf dem Grundrecht beharrt, eigenständig zu entscheiden, welche Ressourcen aus dem Meer sie nutzen darf. Seit 1986 das Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) gegen die kommerzielle Waljagd in Kraft getreten ist, hat Japan ca. 18.000 Wale getötet, schätzen die Organisation wie Pro Wildlife oder der WDC. Kommerziell gesehen ist das Ganze ein Desaster; das „Selbstverständnis der Nation“ muss mit jährlich gut 8 Millionen Euro subventioniert werden.

Da weder wirtschaftliche Gründe noch der Verbraucher in Japan als Argument für den Walfang plausibel sind, bedient sich Japan der Forschung um das sinnlose Abschlachten weiter durchführen zu können.

Harpune für den WalfangJapanischer WalfangJapanischer WalfangJapanischer WalfangJapanischer WalfangZwergwal

Forschung als Scheinargument
Walhoden sind sicher ein ganz tolles Forschungsobjekt. Gut 800 Gramm wiegt der Hoden beim nordpazifischen Zwergwal im Frühjahr und das Gewicht steigt im September bis auf etwa ein Kilo. Faszinierend – oder? Diese „wissenschaftliche Leistung“ wurde aufgrund von weit über 200 im Nordpazifik gefangenen Walen ermöglicht. Und es wird noch besser: die Wissenschaftler stellten sogar die bahnbrechende These auf, dass die Gewichtszunahme möglicherweise eine Vorbereitung auf die Paarungssaison wäre …

Diese „wissenschaftlichen Großtaten" sind Japans Rechtfertigung für den Walfang – und das seit gut 30 Jahren. Die Forschung ist Japans Argument, dass das Abschlachten der sanften Riesen mit dem geltenden Walfang-Moratorium vereinbar sein soll. Der Internationale Gerichtshof sah das 2014 anders und verurteilte die Jagd in der Antarktis. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind so begrenzt, dass hier eben keine Rechtfertigung im Sinne des Moratoriums vorliegt.

Das „Forschungsprogramm“ NEWREP-A
Die japanische Regierung hat dem IWC folgendes Programm vorgelegt: In den kommenden zwölf Jahren sollen weitere 3.768 Sei- und Zwergwale im Nordpazifik getötet werden. Statt 90 Seiwalen erhöht Japan auf 140, statt 102 Zwergwalen jährlich auf 174. Seiwale sind in der Roten Liste der bedrohten Arten als stark gefährdet eingestuft. Zwergwale sind zwar global betrachtet nicht gefährdet, doch ausgerechnet vor der Küste Japans lebt eine Unterpopulation, genannt I-Stock, die stark bedroht ist.

„Japans Verhalten ist eine Farce: Sie haben soeben angekündigt, ihre pseudowissenschaftlichen Forschungsjagden im Nordpazifik auszuweiten und setzen nun das Schlachten im Südpolarmeer fort, trotz internationaler Kritik, dem IGH-Urteil, zwei Resolutionen der IWC und wissenschaftlicher Kritik. Wenn die sogenannten Walschutzländer, unter ihnen die EU-Mitglieder, nicht endlich mit der entsprechenden Härte reagieren, um Japan zu stoppen, verlieren sie alle Glaubwürdigkeit."

Tatsächlich hatte  WDC erst vor wenigen Wochen belegt, dass Fleisch aus dem „Forschungswalfang“ ganz offen an Käufer auf der ganzen Welt über das Internet angeboten wurde.

„So wie die zweite Phase von NEWREP-A angelegt ist, erwarten wir eine ähnlich hohe Anzahl von schwangeren Walen, die getötet werden", so Fuchs weiter.

Leider ist die einzige Waffe gegen diese Pläne ein diplomatischer Protest; kein scharfes Schwert in diesem Kampf. Konkrete Sanktionsmöglichkeiten hat die Organisation, die zudem in Walschützer und Walfänger gespalten ist, nicht. Japan wird sich wohl einfach auf den Standpunkt stellen, dass es mit der Vorlage des 162 Seiten starken Programms seine Pflicht erfüllt hat und es keiner Zustimmung des IWC bedarf: Es lebe die Wissenschaft …

Infos: www.whales.org.

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