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Rubrik: Wissenschaft

Kaltwasserkorallenforschung geadelt

Sonntag, 29. November 2015, 10:12

Kaltwasserkorallen im Atlantischen Ozean: fragile Bio-/Geosysteme unter dem Einfluss von Klima- und Umweltveränderungen. Dies ist der Titel einer Gemeinschaftsarbeit von Wissenschaftlern aus Bremen, Kiel und Wilhelmshaven, die am Freitag, den 27. November 2015 mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurden. Die gemeinsam von den fünf norddeutschen Bundesländern ausgelobte Auszeichnung wurde zum vierten Mal vergeben und ist mit 100.000 Euro dotiert

Verleihung des Norddeutschen Wissenschaftspreises

Verleihung des Norddeutschen Wissenschaftspreises, Foto: © A. Villwock, GEOMAR

Klima- und Umweltforschung ist seit vielen Jahren ein wesentlicher Aspekt der Deutschen Meeresforschung. Im Vorfeld der in der kommenden Woche beginnenden Klimakonferenz in Paris rücken diese Themen noch stärker in den Fokus. Im Bereich der Meeresforschung werden hierzu eine Vielzahl von Fragestellungen untersucht. Angefangen von Themen wie Meeresspiegelanstieg bis hin Veränderungen durch steigende Temperaturen, zunehmende Versauerung und Rückgang des Sauerstoffs auf Marine Ökosysteme sind die Auswirkungen auf den größten Lebensraum auf diesem Planeten vielschichtig und komplex. Zu diesem Themenkomplex gehört auch das heute mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis ausgezeichnete Projekt „Kaltwasserkorallen im Atlantischen Ozean: fragile Bio/Geosysteme unter dem Einfluss von Klima- und Umweltveränderungen“. In dieser Gemeinschaftsarbeit mit Beteiligung von Wissenschaftler der Forschungszentren MARUM/Universität Bremen, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven geht es um faszinierende Ökosysteme am europäischen Kontinentalrand von Nordnorwegen bis zum Mittelmeer, die durch menschliche Aktivitäten stark bedroht sind. Die langjährigen gemeinsamen Forschungsarbeiten der drei Einrichtungen wurden jetzt mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis ausgezeichnet, der zum vierten Mal verliehen wird. Das Preisgeld der von allen fünf norddeutschen Küstenländern getragenen Auszeichnung wurde in diesem Jahr auf 100.000 Euro verdoppelt.

Kaltwasserkoralle

Kaltwasserkoralle vor der Küste Norwegens, Quelle: „JAGO"-Team, GEOMAR

„Ein toller Erfolg für die Meeresforschung, die unsere 15-jährigen Arbeiten auf diesem Gebiet honoriert“, sagt Prof. Dr. Wolf-Christian Dullo vom Kieler GEOMAR, einem der Partner des ausgezeichneten Projektes. „Bei Korallen denken Menschen natürlich in erster Linie an die tropischen Korallenriffe, mit bunten Fischen und extrem hoher Artenvielfalt“, so Dullo weiter. „Die Kaltwasserkorallen, die in völliger Dunkelheit ihr Dasein bislang doch fast unbeachtet fristeten, sind aber für die Ökosysteme mittlerer Breiten sehr wichtig. „Und obwohl sie bis vor wenigen Jahren kaum Jemand kannte, sind sie bereits durch den Menschen stark gefährdet“, erläutert Dr. Sascha Flögel vom GEOMAR. Schleppnetzfischerei, zunehmende Versauerung und Erwärmung gefährden diese Riffe, die für viele Arten einen Rückzugsraum und Kinderstube darstellen. Deshalb haben sie verschiedene Forschergruppen seit Jahren im Fokus, um mehr über ihre Funktionen im marinen Ökosystem zu lernen. Die Kieler Forscher sind regelmäßig mit dem Tauchboot „JAGO" vor der Küste Norwegens im Einsatz, um Messungen und Beobachtungen durchzuführen. Seit einigen Jahren werden auch einzigartige Versuche unter kontrollierten Bedingungen in speziellen Kulturräumen der Kieler Einrichtung durchgeführt.

Seit 2000 sind im Rahmen der Forschungskooperation insgesamt 21 Schiffs-Expeditionen durchgeführt, 9 Doktorarbeiten abgeschlossen und zahlreiche Studenten ausgebildet, über 30 gemeinsame wissenschaftliche Publikationen (plus zahlreiche Publikationen ohne gemeinsame Ko-Autorenschaft) verfasst, und zahlreiche Aktionen zur Öffentlichkeitsarbeit veranstaltet worden. Pläne für die Zukunft sehen eine Ausweitung des regionalen Fokus dieser Kooperation vor allem auf die Südhemisphäre vor, wo es auch solche Ökosysteme gibt.

„Meeres- und Klimaforschung sowie grüne Energie werden immer stärker zu Alleinstellungsmerkmalen in der deutschen Forschungslandschaft“, sagt die Ministerin für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung, des Landes Schleswig-Holstein, Kristin Alheit anlässlich der Preisverleihung an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Auch GEOMAR Direktor Prof. Dr. Peter Herzig gratulierte dem Forscherteam. „Nur gemeinsam können wir die zentralen Fragen der Meeres- und Klimaforschung beantworten. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler national wie international gut vernetzt sind und zusammen arbeiten. Das ausgezeichnete Leuchtturmprojekt ist ein hervorragendes Beispiel für eine fruchtbare Kooperation. Herzlichen Glückwunsch!" Infos: www.geomar.de.

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