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Rubrik: Umwelt

Kampf dem Beifang: Big Brother auf'm Fischkutter

Samstag, 2. April 2011, 08:36

„Big Brother" geht bei den Küstenfischern in Mecklenburg-Vorpommern an Bord und nimmt die Stell­netze ins Visier: Der WWF rüstet im Rahmen eines  Pilotprojekts drei Kutter der Fischereigenossenschaft Freest mit Kameraanlagen für ein elektronisches Monitoring aus

Kapitaen Martin Lange unter der Ueberwachungskamera auf dem Kutter "Hilde", Foto: © WWF

Zwei Jahre lang wird jeder Beifang von Seevögeln und Meeressäugern präzise dokumentiert und die Daten durch das Thünen-Institut für Ostseefischerei wissenschaftlich ausgewertet. Ziel ist eine Reduzierung von Beifang, die langfristig eine Zertifizierung der Stellnetzfischerei mit dem MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei ermöglichen soll.

Die traditionelle Stellnetzfischerei in der Ostsee gilt als nachhaltig, weil durch die großen Maschenweiten kein unerwünschter Fisch und vor allem keine Jungtiere beigefangen werden. Sie steht aber im Verdacht, hohe Seevogel- und Schweinswalbeifänge zu haben, verlässliche Zahlen liegen jedoch bislang nicht vor. Hochrechnungen gehen von jährlich bis zu 20.000 Seevögeln aus, die allein in der Stellnetzfischerei Mecklenburg Vorpommerns als ungewollter Beifang enden. Der Bestand von Schweinswalen in der östlichen Ostsee umfasst nur noch ca. 600 Tiere.

Michael Schütt, Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft Freest, begrüßt das Kameraprojekt, weil es Klarheit schafft: „Es schadet uns Fischern vor allem, wenn unsere Fischerei in Verruf kommt, weil über Beifang spekuliert wird und sich nicht belegen lässt, was auf See tatsächlich ins Netz geht. Die Schätzungen sind zu hoch gegriffen." Auch Freester Fischer, deren Kutter nicht mit Kameras ausgerüstet wurden, bringen ihre Beifänge zur Dokumentation an Land.

„Ohne verlässliche Daten fehlt die Grundlage, um Umweltschutzmaßnahmen in die Fischerei zu integrieren, falls dies nötig ist. Die Monitoringergebnisse werden zeigen, ob, wann und wo die Fischerei Maßnahmen ergreifen muss, um Beifang zu vermeiden", erläutert WWF-Meereschutzexpertin Cathrin Münster. „Hut ab vor den teilnehmenden Fischern, die sich hier für eine nachhaltige Fischerei einsetzen."

Wissenschaftlicher Partner des Pilotprojekts ist das Thünen-Institut für Ostseefischerei (vTI-OSF) in Rostock, das die gewonnenen Daten zum betriebenen Fischereiaufwand und Beifang analysiert. „Die computergestützten Kameras sind unbestechlich. Sie registrieren Ort, Zeitpunkt, Zusammensetzung und Menge des Fangs und identifizieren auch, was kein Fisch ist", sagt Christopher Zimmermann vom vTI. „Die Fischereiwissenschaft erhält so wertvolle Daten, auf denen beispielsweise wissenschaftliche Empfehlungen für Fangmengen basieren." Infos: www.wwf.de.

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