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Rubrik: Wissenschaft

Kieler Wissenschaftler fühlen den „Puls der Erde"

Mittwoch, 24. Oktober 2012, 10:11

Faszination Geologie: In einem jetzt im Wachholtz Verlag erschienenen Buch stellen des Kieler Wissenschaftler ihre Arbeiten allgemeinverständlich vor. Spannende Berichte und eindrucksvolle Fotos machen die Motivation der Kieler Wissenschaftler spürbar. Ihre Ergebnisse verändern das Wissen über unseren Planeten

Am Puls der Erde

Das Buch „Am Puls der Erde"

Wie Schwefel vor Erdbeben warnen kann, wie Klimagase vom Boden der Tiefsee in die Atmosphäre gelangen, welche Einflüsse Vulkanausbrüche auf die Ozonschicht haben und welche geochemischen Prozesse ablaufen, wenn eine Erdplatte unter der anderen abtaucht – dies untersuchten die Wissenschaftler des Kieler Sonderforschungsbereichs (SFB) 574 „Volatile und Fluide in Subduktionszonen – Klimarückkopplungen und Auslösemechanismen von Naturkatastrophen" von 2001 bis 2012. In einem Buch stellen sie jetzt Schwerpunkte ihrer Arbeit einer breiten Öffentlichkeit vor.

Am Puls der Erde: Naturkatastrophen verstehen, berichtet von Abenteuern, Hoffnungen, Rückschlägen und Erfolgen. Die Wissenschaftsjournalistin Sarah Zierul („Der Kampf um die Tiefsee") befragte Kieler Forscher zu ihren Arbeiten, der Fotograf Bernd Grundmann begleitete sie auf Expeditionen vor der chilenischen Küste und in den Anden. Das Design des Buches stammt von Birte Friedländer.

Fiorschungsschiff SONNE

Das Forschungsschiff „SONNE" auf See, Foto: Bernd Grundmann

„Für uns Wissenschaftler war das Buch eine ganz neue Herangehensweise an unsere Themen", erinnert sich Herausgeber Dr. Peter Linke an den Entstehungsprozess. Der Biologe am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist von Beginn an Mitglied des SFB 574. „Wir haben spannende Momente im Interview noch einmal nachvollzogen und hoffen, dass unsere Leser die Faszination und unsere Motivation spüren, die uns in die Tiefsee hinabtauchen und auf die höchsten Andengipfel hinaufsteigen lässt."

„Am Puls der Erde zeigt deutlich, dass meereswissenschaftliche Forschung gesellschaftlich relevant ist und unser Bild von der Erde verändert. Dafür haben die Wissenschaftler im Sonderforschungsbereich eindrucksvoll interdisziplinär zusammen gearbeitet und ihre Expertise von Prozessen in der Tiefsee und an Land miteinander verknüpft," sagt Professor Ralph Schneider, stellvertretender Sprecher des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft" und Direktor des Instituts für Geowissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Ozeanbodenseismometer

Ein Ozeanbodenseismometer zeichnet am Grund der Tiefsee vor der Küste Chiles Bodenbewegungen auf, Foto: ROV-Team, GEOMAR

Die Idee zum Buch entwickelte Peter Linke als Fahrtleiter der letzten Schiffs-Expedition des Sonderforschungsbereichs. Vor der chilenischen Küste untersuchte er sogenannte Cold Seeps, Sickerstellen, an denen kaltes, mit dem Erdgas Methan gesättigtes Wasser austritt. „Einerseits bilden die Cold Seeps regelrechte Oasen in der Tiefsee, an denen hoch spezialisierte Lebewesen existieren können", erklärt Linke. „Andererseits stellen sie ein gewisses Gefahrenpotenzial dar, weil Methan von dort aus zur Wasseroberfläche aufsteigen und in die Atmosphäre gelangen kann. Darum war uns wichtig, genau zu ermitteln, welche Mengen freigesetzt werden."

Während Linke mit dem Tauchroboter „ROV Kiel 6000" den Meeresboden in bis zu sechs Kilometern Tiefe erforschte, erkundeten die GEOMAR-Geologen Dr. Heidi Wehrmann, Prof. Kaj Hoernle und Dr. Steffen Kutterolf die Gipfel der Anden. Mit dem Jeep, zu Pferd oder zu Fuß gelangten sie zu ihren Zielen in tausenden Metern Höhe. Wie Detektive ermittelten sie aus Gesteinsproben später im Labor, mit welcher Stärke Vulkane vor tausenden Jahren ausbrachen und welche Mechanismen die Eruptionen auslösten – eine Basis, um auch zukünftige Gefahren besser einzuschätzen.

„Die elf Jahre Arbeit im Sonderforschungsbereich haben unser Verständnis gerade auch für die Prozesse erheblich verbessert, die Auswirkungen auf den menschlichen Lebensraum haben", bilanziert Professor Kaj Hoernle, Sprecher des SFB 574 vom GEOMAR. „Wir konnten erfassen, wie sich Fluide und Volatile durch Subduktionszonen bewegen und welche Rolle sie für die Entstehung von Erdbeben, Hangrutschungen, Tsunamis und Vulkanausbrüchen spielen. Viele Naturgefahren können wir jetzt viel besser einschätzen. Auch über Zusammenhänge zwischen Vulkanausbrüchen und dem globalen Klima wissen wir jetzt deutlich mehr. Diese Themen in einem Buch allgemein verständlich zu bündeln, ist ein gelungener Abschluss." Infos: www.geomar.de.

Am Puls der Erde: Naturkatastrophen verstehen, Herausgegeben von Peter Linke, Sarah Zierul, Birte Friedländer und Bernd Grundmann mit einem Vorwort von Frank Schätzing, 29,7 x 21 cm, 264 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Fotos, gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978 3 529 05437 2, Preis: 24,80 Euro.

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