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Rubrik: Umwelt, Wissenschaft

Kurs Süd: mit dem Tiefseesegler auf Datenfang

Samstag, 24. Oktober 2009, 08:05

Meeresforscher vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), Kiel brechen am Wochenende mit dem deutschen Forschungsschiff „Meteor" zu einer vierwöchigen Expedition in den tropischen Atlantik auf. Dort untersuchen sie die komplexen Strömungssysteme im tropischen Ostatlantik sowie die Auswirkungen der Veränderungen im Sauerstoff- und im Nährstoffgehalt auf Kleinstlebewesen im Ozean

Das Forschungsschiff "Meteor" auf See, Foto: Peter Linke, IFM-GEOMAR

Das Forschungsschiff "Meteor" auf See, Foto: Peter Linke, IFM-GEOMAR

Einen ganzen Monat lang werden rund 30 Meeresforscher aus vier Ländern unter Leitung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) den tropischen Nordatlantik erkunden. Mit dem deutschen Forschungsschiff „Meteor" starten sie am 25. Oktober von den Kapverdischen Inseln gen Süden, überqueren einmal den Äquator und kehren auf fast demselben Wege wieder zurück. An Bord haben sie verschiedene hochmoderne Messinstrumente: rosettenförmige Kranzwasserschöpfer, frei fallende Sonden und kilometerlange Stahlseile, an denen verschiedene Sensoren befestigt sind. Sie messen Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoff und Strömungsverlauf, werden entweder für längere Zeit an einer Stelle am Meeresboden verankert oder kurzzeitig vom Schiff ins Wasser gelassen. Eine kleine Attraktion unter den hochmodernen Messinstrumenten ist der Gleiter, ein ferngesteuerter Tiefseesegler. Einmal ausgesetzt, „fliegt" er eigenständig durch den Ozean, sammelt Daten und schickt sie über Satellit nach Kiel.

Ein Gleiter im Einsatz, Foto: Pierre Testor, IFM-GEOMAR

Ein Gleiter im Einsatz, Foto: Pierre Testor, IFM-GEOMAR

Die Fragen, die die Forscher während der „Meteor"-Expedition klären wollen, sind vielfältig: Wie schnell sind die Strömungen und woher kommen sie? Wo hat der Ozean mit Sauerstoffarmut zu kämpfen und warum? Welche Tiere und Pflanzen sind im Wasser und welche Rolle spielen sie für die Nährstoffe und den Sauerstoff im Wasser? Auch an Wellen sind die Wissenschaftler interessiert, denn sie sind ein wichtiges Puzzlestück für das Klimageschehen. „Wenn wir die Wellenprozesse und den Verlauf der Strömungen im äquatorialen Atlantik genauer kennen, können wir vorhersagen, wie sich die Oberflächentemperatur entwickelt. Dieses Wissen erlaubt es uns wiederum, Prognosen für das Klima in den angrenzenden Kontinenten zu treffen: Je wärmer die Wasseroberfläche im Ostatlantik während des Nordsommers, desto stärker sind die Regenfälle in Westafrika und Nordostbrasilien", sagt der wissenschaftliche Fahrtleiter Prof. Dr. Peter Brandt vom IFM-GEOMAR. Die offenen Weltmeere – der „blaue Ozean" – sind seit jeher Forschungsgebiet für die Kieler Meereswissenschaftler am IFM-GEOMAR. Für Prof. Brandt ist es bereits die 8. Reise auf der METEOR und die 3. als Fahrtleiter.

Die Untersuchungsregion ist auch einer der Arbeitsschwerpunkte des in Kiel angesiedelten Sonderforschungsbereichs 754 „Klima-Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean" gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Regelmäßige Neuigkeiten von Bord der „meteor" veröffentlicht übrigens der mitreisende Autor Holger von Neuhoff in einem Blog unter www.abendblatt.de/meteor. Eine interaktive Karte zeigt dort außerdem den Kurs und die aktuelle Position des Schiffs.

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