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Rubrik: Biologie

Liebe im Mondschein: die Fortpflanzung der Büffelkopf-Papageifische

Freitag, 15. Januar 2016, 08:52

Der Büffelkopf-Papageifisch zählt zu den Lieblingsfischen der Taucher: Eine Schule von manchmal mehr als 50 dieser großen Fische vorbeiziehen zu sehen, ist atemberaubend. Bis vor kurzem war wenig über die Fortpflanzung dieser imposanten Fische bekannt. Doch dann wurde in Palau eine Zusammenkunft, “Aggregation” genannt, von mehreren tausend Fischen beobachtet, die regelmäßig während bestimmter Mondphasen über das ganze Jahr hinweg zusammenkommen, um abzulaichen

Büffelkopf-Papageifische beim Paarungsritual

Büffelkopf-Papageifische beim Paarungsritual, Foto: © Richard Barnden

Der Büffelkopf-Papageifisch (Bolbometepon muricatum) ist einer der größten Papageifischarten. Die Riffgiganten können bis zu 1,5 Meter groß werden und nahezu 50 kg wiegen. Man findet sie an den Riffen des Indischen und Pazifischen Ozeans, vom Roten Meer im Westen bis hin zu Samoa im Osten und sogar hoch bis zu den Küsten Japans im Norden und am Great Barrier Riff in Australien im Süden.

Typisch für diese Fische sind ihre Schnabel-ähnlich aussehenden Zahnplatten, die ihre fleischigen Lippen nur teilweise bedecken. Büffelkopf-Papageifische sind in erster Linie Korallenfresser. Im hinteren Teil ihrer Kehle befinden sich Rachenzähne, die es ihnen ermöglichen, Hartkorallen fein zu zermahlen.

Bisher war über die Fortpflanzungszyklen der Büffelkopfpapageifische nur wenig bekannt, vor einigen Jahren konnte dann eine Aggregation von über 1.000 Fischen in Palau beobachtet werden.

Der Zyklus des Mondes
Die Zusammenkunft der Büffelköpfe findet jeweils während der Neumondphase statt. Die Tiere versammeln sich in Palau nicht etwa weit draußen am Außenriff, sondern an einem sandig abfallenden Riffhang innerhalb der Rock Islands. Warum sich die Fische genau hier anfinden ist bisher unklar.

Tauchgang zur Büffelkopf-Aggregation
Mit Sonnenaufgang ergießen sich hunderte dieser Tiere, die im flachen Teil der Lagune geschlafen haben, wie ein Wasserfall über den welligen Meeresboden in den Kanal.

Ein großer Schwarm Büffelkopf-Papageifische

Ein großer Schwarm Büffelkopf-Papageifische, Foto: © Richard Barnden

Zunächst finden sich die Fische in loser Formation zusammen, die sich langsam immer weiter verdichtet, bis eine große Masse entstanden ist. Diese mäandert am Riff entlang und man hört ohne Unterlass die Kaugeräusche der Fische.

Nach einer gewissen Zeit zeigen dann die männlichen Alpha-Tiere ihre Dominanz, indem sie vertikal nach oben schwimmen und dabei ihre Flossen aufstellen, gleichzeitig verfärbt sich die höckerige Stirn weiß. Manchmal hört man, wie die Männchen ihre Köpfe wie Büffel gegeneinander schlagen, was allgemein als Zeichen für den Beginn des Geschlechtsaktes verstanden werden kann.

Nun schwimmt die große Schule mit manchmal mehr als 1.000 Individuen weg vom Riff ins Blauwasser. Die Köpfe sowohl der Männchen als auch der Weibchen scheinen nun hellweiß, Bänder und Streifen auf ihren Flanken werden sichtbar, ein Tanzritual beginnt.

Zunächst bleiben die Tiere noch im tieferen Wasser, und auf einen Schlag beginnt dann die Vorstellung, ein Feuerwerk sexueller Aktivität: Die Weibchen schießen hoch zur Oberfläche, dicht verfolgt von zehn, manchmal 15 Männchen. Eine Theorie zu diesem seltsamen Verhalten ist, dass die Weibchen so versuchen könnten, das schnellste und stärkste Männchen zu finden, um dessen Gene den Jungtieren mitzugeben. Diese Vorstellung kann bis zu einer Stunde dauern.

Wenn die Aktivität der Fische nachlässt und die Schule sich zurück in ihren regulären Lebensraum bewegt, verwandelt sich auch der Tauchplatz wieder in seinen Normalzustand. Das Wasser allerdings ist jetzt eine trübe, wolkige Masse aus Keimzellen, bereit, während sie mit der auslaufenden Strömung hinaus in den Abyss treiben, den ersten Teil des Lebenszyklus zu beginnen

Ein juveniler Büffelkopf-Papageifisch

Ein juveniler, drei Monate alter, Büffelkopf-Papageifisch, Foto: © Richard Barnden

Die frisch geschlüpften Büffelkopf-Larven treiben mit der ausgehenden Strömung in den offenen Ozean, nach fünf bis sechs Tagen beginnen sie, sich von Algen oder Ruderfußkrebsen zu ernähren. Sie bleiben bis zu drei oder mehr Monate auf offener See und die Glücklichen, die dieses Stadium überleben, müssen dann in die Lagune zurücktreiben, wo sie im flachen Bereich Schutz finden. Hier bevorzugen sie die Wurzelsysteme der Mangrovenwälder und Seegraswiesen, wo sie sich primär von Seegras und Ruderfußkrebsen ernähren. Für zwei bis drei Jahre verweilen sie in diesen geschützten Gebieten, bevor sie sich den erwachsenen Tieren am Außenriff anschließen, wo sie bis zur Geschlechtsreife heranwachsen und sich selber fortpflanzen.

Da sie langsam heranreifen, beginnen Büffelkopf-Papageifische erst relativ spät, ab einer Länge von circa 50 Zentimetern, mit der Reproduktion. In Anbetracht der Tatsache, dass sie bis zu 40 Jahre alt und fast 1,50 m groß werden können, sorgen sie bemerkenswert langsam für Nachschub ihrer Art.

Zwar werden sie gelegentlich von großen Haien gejagt, die größte Bedrohung für die Büffelkopf-Papageifische indes ist der Mensch. Sie kehren fast jede Nacht zum selben Platz zurück, um in großen Schwärmen zu schlafen. Fischer, die mit Speeren unterwegs sind, können sie deshalb leicht aufspüren und seit der Erfindung von Tauchlampen ist es für diese Fischart noch gefährlicher geworden.

Büffelkopf-Papageifische sind von der Internationalen World Conservation Union (IUCN) als “bedroht” eingestuft und wurden auf die “Rote Liste der gefährdeten Arten” gesetzt. Des Weiteren sind sie Bestandteil des “Management Unit Species” Plan [MUS] für das Ökosystem Korallenriff des westlichen Pazifiks, das sich mit Fischmanagement beschäftigt.

Seit 1994 schützt Palau die Büffelkopf-Papageifische durch ein Exportverbot, und im Jahr 2005 wurde die Gesetzgebung weiter verschärft: Seitdem darf diese Art in den Gewässern von Palau überhaupt nicht mehr gefangen werden.

Infos: www.samstours.com/palau-diving/unique-dive-expeditions.

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