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Rubrik: Wissenschaft

Neue Beweise für riesige Vulkanausbrüche am Meeresboden

Montag, 11. April 2016, 09:22

Um die Entstehungsgeschichte der Erdkruste besser zu verstehen, haben Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel eine neue Methode angewandt und damit Lavaflüsse am nördlichen Kolbeinsey Rücken, etwa 500 Kilometer von Island, datiert. Dabei fanden sie Beweise für riesige Vulkaneruptionen in der Tiefsee, die möglicherweise fast die Hälfte der Erdkruste geformt haben

3-D Darstellung des Mittelatlantischen Rückens

3-D Darstellung des Mittelatlantischen Rückens im Bereich der Kolbeinsey Ridge, Grafik © GEOMAR

Die Eruptionen der isländischen Vulkane Eyjafallajokull und Bardabunga haben uns mit eindrucksvollen Bildern ihre Aktivität vor Augen geführt. Da Island ein Teil des Mittelatlantischen Rückens ist, zeigen diese Ausbrüche auch, wie ständig Material zur Bildung neuer Erdkruste an den mittelozeanischen Rücken produziert wird. Wissenschaftler des GEOMAR zeigen in einer Studie, die in der internationalen Fachzeitschrift Earth and Planetary Science Lettters veröffentlicht wurde, dass in der Erdgeschichte weitaus größere Eruptionen stattgefunden haben, die wahrscheinlich für die Bildung von fast der Hälfte der Erdoberfläche verantwortlich sind. Den Schwerpunkt der Studie bilden die mittelozeanischen Rücken, wo tausende Meter unter der Wasseroberfläche durch vulkanische Eruptionen an divergenten Plattengrenzen ständig neue Kruste gebildet wird.

„Etwa 70% der Erdoberfläche wurde durch vulkanische Eruptionen an mittelozeanischen Rücken erzeugt. Durch Druckentlastung im Mantel unterhalb des Rückens entstehen Schmelzen, die zum Meeresboden hinaufsteigen und dort ausbrechen. Wir versuchen mit unseren Studien die fundamentalen Prozesse zu verstehen, die unseren Planeten geprägt haben“, sagt Dr. Isobel Yeo, Erstautorin der Studie. „Die tektonischen Platten bewegen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, meistens treiben sie langsam auseinander. Dort kann die Lava nicht so einfach zum Meeresboden aufsteigen. Wir haben zwar einige gute Abschätzungen und Hypothesen wie der Prozess funktioniert, aber gesicherte Informationen über die Frequenz und die Größe der Eruptionen, die weltweit unter den Ozeanen stattfinden, gibt es nicht“, so Yeo weiter.

Forschungsschiff „POSEIDON“

Das Forschungsschiff „POSEIDON“ im Hafen von Akureyri, Island, Foto: © GEOMAR

Mit Hilfe einer neuen Methode, ist es den Wissenschaftlern nun gelungen bei der Erkundung junger Lavaströme diese auch gleichzeitig zu datieren. Dabei stellte sich an einem Abschnitt des Mittelatlantischen Rückens nördlich von Island heraus, dass es Zeiten mit sehr großen vulkanischen Eruptionen gegeben hat.

Die neue Methode, bei der das autonome Unterwasserfahrzeug (AUV) „ABYSS“ des GEOMAR zum Einsatz kommt, verwendet akustische Daten des Meeresbodens, die von dem Unterwasserroboter gesammelt werden, sowie Sedimentkerne, die aus der näheren Umgebung stammen. So kann der jüngere Meeresboden ohne größere Zerstörungen untersucht und datiert werden. Angewendet wurde die neue Methode zum ersten Mal auf einer Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff „POSEIDON“ an einem Abschnitt des Mittelatlantischen Rückens nördlich von Island, dem sogenannten nördlichen Kolbeinsey Rücken. Dort konnten Wissenschaftler nachweisen, dass es dort wiederholt zu größeren vulkanischen Eruptionen gekommen ist, die Zehntausende von Jahren andauerten.

Nordatlantik

Der Nordatlantik bei Jan Mayen, Foto: © N. Augustin, GEOMAR

„In der Vergangenheit haben wir das AUV vornehmlich zur Kartierung des Meeresbodens genutzt, jetzt können wir es auch zur Altersbestimmung von jüngeren Lavaströmen einsetzen“, so Dr. Yeo. Mit den Daten konnte nicht nur die genaue Position des mittelozeanischen Rückens in dieser Region bestimmt werden, sondern es zeigte sich auch, dass die 18 Lavaströme, die dort in den letzten Tausenden von Jahren identifiziert wurden, nicht ausreichend waren, um die Menge an neuer Kruste, die für die Plattenseparation notwendig wäre, zu generieren. „Die Menge an Lava, die wir gefunden haben, ist nicht ausreichend, um in dieser Region eine Kruste mit einer durchschnittlichen Dicke von sieben bis zehn Kilometern aufzubauen“, so Dr. Yeo. Insbesondere während der letzten 8.000 Jahre haben wir mindestens 5.000 Jahre ohne jegliche vulkanische Eruption gefunden und was in dem verbleibenden Zeitraum aufgebaut wurde, ist nicht ausreichend. Dies bedeutet, das es Zeiträume mit sehr viel stärkerer vulkanischer Aktivität gegeben haben muss, sehr wahrscheinlich mit Volumina, die zehnmal so groß waren, wie die letzten Eruptionen auf Island.

Ein großer Teil der mittelozeanischen Rückensysteme ist bisher nicht kartiert und bislang wurden nur sehr wenige Detailstudien durchgeführt. Auch dadurch kommt den Ergebnissen, die mit der neuen Methode erzielt wurden, eine besondere Bedeutung für zukünftige Untersuchungen zu.

Infos: www.geomar.de.

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