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Rubrik: Umwelt

Ostsee: Tarnkappe Schollenfischerei

Montag, 20. Februar 2017, 16:06

Absurdistan liegt in der Ostsee: Trotz amtlich verordneter Schonfrist haben deutsche Fischer die Jagd auf den vom Zusammenbruch bedrohten Dorschbestand in der westlichen Ostsee eröffnet

Dorsch

Ein gefangener Dorsch in einer Reuse, Foto: © Elisabeth Knoll/Archiv Taucher.Net

„Die deutschen Behörden stellen den durchsichtigen Deckmantel mit dem der bedrohte Dorschbestand jetzt ausgerechnet zur Laichzeit befischt werden kann“, kritisiert Stella Nemecky, Fischereiexpertin des WWF. Denn das Landwirtschaftsministerium genehmigte jetzt die Fischerei auf Scholle in genau den tiefen Becken der Ostsee, in denen sich in diesen Wochen die verbliebenen fortpflanzungsfähigen Dorsche zum Ablaichen sammeln. „Eigentlich sollen die Dorsche dabei weder befischt noch gestört werden, doch unter der Tarnkappe Schollenfischerei enden die laichbereiten Dorsche nun als Beifang im Schollennetz“, kritisiert Nemecky. Hierbei sind sogar engere Maschen erlaubt, so dass auch viel kleiner Jungdorsch ins Netz gehen wird – Nachwuchs, der dringend gebraucht wird, um den Bestand wieder aufzubauen.

Schollenfischer dürfen legal zehn Prozent Dorsch in ihren Netzen haben, weil beide Fischarten bodennah leben und es sich um eine gemischte Fischerei handelt. Rund 600 Tonnen Schollenquote stehen deutschen Fischern zu, doch dies ist nur der Startschuss für ein internationales Rennen, dessen Verlierer der Dorsch sein wird.

Dänemark hatte die Schollenfischerei während der Schonzeit in Tiefen jenseits 20 Meter eingestellt. Nach Protesten seiner Fischer hat der dänische Fischereiminister nun aber reagiert: Auch dänische Fischer dürfen trotz verhängter Schonzeit ihre Fischerei auf Plattfische fortsetzen – jedoch mit einer rund zehnfach höheren Fangquote (5632 Tonnen) als die deutsche Fischerei.

„Dass Dänemark seinen Fischern die Wettbewerbsfähigkeit sichern will, ist verständlich. Dass Deutschland aber diese Wettfahrt auf laichende Dorsche überhaupt ermöglicht, ist skandalös“, kritisiert WWF-Expertin Nemecky. Die wissenschaftliche Empfehlung für eine vertretbare Fangmenge liegt bei insgesamt 917 Tonnen Dorsch im Jahr 2017. Den Einwand, die existenzbedrohte deutsche Küstenfischerei auf Dorsch müsse mit der Maßnahme gestützt werden, lässt der WWF diesmal nicht gelten. Denn Küstenfischer sind gar nicht mit Grundschleppnetzen in dieser Tiefe unterwegs sondern nutzen vor allem andere Fangmethoden in flacheren Gewässern. „Der Bruch der Dorsch-Schonzeit kommt einem Abgesang auf den Fisch gleich, der einst die Lebensgrundlage der deutschen Ostseefischer sicherstellte“, so Nemecky.

Der Dorschbestand war dramatisch eingebrochen, weil ein Nachwuchsjahrgang praktisch komplett ausgefallen ist. Eine wesentliche Ursache für die Notlage beim Nachwuchs ist die jahrelange Überfischung. Als Notfallmaßnahe zum Schutz und Wiederaufbau des Dorschbestandes wurde im Dezember eine fischereifreie Schonzeit zwischen Anfang Februar bis Ende März eingeführt.

Infos: www.wwf.de.

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