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Rubrik: Umwelt

Plastik-fressende Bakterien entdeckt

Dienstag, 15. März 2016, 09:57

In einer Recycling-Anlage für PET-Flaschen haben Forscher vom japanischen Kyoto Institute of Technology Bakterien gefunden, die den weit verbreiteten Kunststoff PET (Polyethylenterephthalat) zersetzen. Das Bakterium könnte zu einem der wichtigsten Helfer im Kampf gegen das weltweite Plastikproblem werden

Plastikmüll

Plastikmüll an den Stränden unserer Meere, Foto: © Kanyarat Kosavisutte, Green Fins Association, Marine Photobank

PET ist einer der weltweit am meisten verbreiteten Kunststoffe, der besonders bei Verpackungen für Lebensmittel und bei Plastikflaschen zum Einsatz kommt. Insgesamt produziert die Menschheit etwa 300 Millionen Tonnen Kunststoff jährlich. Rund 56 Millionen Tonnen davon entfallen auf PET-Produkte. Nur der geringste Teil dieser Plastikmengen wird zur Zeit recycelt, der Rest landet in der Umwelt, vieles davon in unseren Meeren.

Die japanischen Forscher haben Ihre Entdeckung jetzt in der Fachzeitschrift „Science“ publiziert. Sie entnahmen 250 Proben von Sedimenten, Böden, Abwasser und Aktivschlamm an einer Recycling-Anlage für PET-Flaschen. Dann untersuchten sie die Proben und suchten in diesen nach Mikroorganismen, die einen dünnen PET-Film zersetzen können.

Im Sedimentproben fanden sie ein Bakterium, das sie Ideonella sakaiensis 201-F6 tauften. In anschließenden Laboruntersuchungen stellte sich heraus, dass das Bakterium nicht nur in der Flüssigkeit, sondern auch direkt am Kunststoff nachzuweisen war. Die Bakterien hatten dann nach 60 Wochen bei einer Temperatur von 30 Grad Celsius tatsächlich den Kunststofffilm vollständig abgebaut.

Die Forscher identifizierten zwei Enzyme, mit deren Hilfe die Bakterien das PET über ein Zwischenprodukt zersetzen. Als Endprodukte entstanden Terephthalsäure und Glykol – Substanzen die, so die Forscher, für die Umwelt nicht giftig seien.

In einem Kommentar zur Studie, der ebenfalls in „Science“ veröffentlicht ist, schreibt Uwe Bornscheuer von der Universität Greifswald, dass der Abbauprozess relative langsam vonstatten gehe. Die Entdeckung der Bakterien sei besonders für das PET-Recycling interessant: Wenn man die Terephthalsäure gezielt gewinnen könne, könne sie als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Kunststoffe dienen. So könnten Kunststoffe bzw. Plastikvarianten, die ohne Erdöl als Ausgangsmaterial hergestellt werden, günstiger werden. Die Bakterien könnten zudem eingesetzt werden, um Plastikmüll aus der Umwelt zu entfernen.

Link zur Studie: http://science.sciencemag.org/content/351/6278/1196.

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