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Rubrik: Wissenschaft

Premiere: Unterwasser-Canyon in 3D

Mittwoch, 30. September 2015, 16:47

Erstmals haben englische Meeresforscher einen Unterwasser-Canyon dreidimensional kartiert. Der Whittard-Canyon in der Biskaya wurde mithilfe von zwei Tauchrobotern und zusätzlichen schiffsbasierten Messungen unter die Lupe genommen – mit erstaunlichen Ergebnissen

Whittard-Canyon

Lage des Whittard-Canyons, Grafik: Innovative Mapping Reveals
Cold-Water Coral Refuge in Submarine Canyon, © 2011 Huvenne et al

Herausgekommen sind Karten in unterschiedlichsten Maßstäben, von der gesamten Länge des Canyons bis hin zur kleinsten Einheit in der Größe eines einzigen Kaltwasserkorallen-Polyps. Die so entstandene „verschachtelte Karte“ des Whittard-Canyons, übrigens das einzige Tiefsee-Schutzgebiet Großbritanniens, funktioniert nach dem Prinzip russischer Matrjoschkas: Die Karte mit dem kleinsten Detail ist Teil einer Karte im größeren Maßstab, die wiederum Teil einer Karte noch größeren Maßstabs ist.

Unterwasser-Canyons gehören zu den komplexesten Lebensräumen unseres Planeten und zeichnen sich als Hotspots der Biodiversität aus. Ähnlich wie Canyons an Land, können sie steile Flanken mit senkrechten Klippen und überhängenden Felsformationen aufweisen. Noch bis vor kurzem lagen sie außerhalb der Reichweite traditioneller mariner Technik und waren damit die „vergessenen Lebensräume" der Tiefsee. Durch den Einsatz modernster Robotertechnik konnten jetzt Daten in diesen schwer zu erreichenden Tiefen gesammelt werden, die zu einem besseren Verständnis der Biodiversitätsmuster und der ihnen zugrunde liegenden Prozesse beitragen.

Echolote auf dem Forschungsschiff „RRS James Cook“ wurden verwendet, um einen 200-km-Karte der Schlucht mit einer Auflösung von 50m/Pixel zu erstellen. Mit Hilfe des neu entwickelten, seitwärts gerichteten Echolot-ROVs „Autosub6000“ konnten vertikale Wände des Canyons mit einer Auflösung von 3-5m/Pixel abgebildet werden. Gleichzeitig wurde von der „RRS James Cook“ das ROV „Isis“ an einem Halteseil abgesenkt, um HD-Videos aufzeichnen und biologische sowie geologische Proben aus senkrechten und überhängenden Stellen zu sammeln. Die durch das ROV „Isis“ gesammelten Echo-Klangdaten wurden zudem verwendet, um die detailliertesten Karten mit einer Auflösung von 10-20cm/Pixel zu erstellen.

Morphologie und Fotos der Kaltwasserkorallen

Morphologie und Fotos der Kaltwasserkorallen im Whittard-Canyon, Grafik: Innovative Mapping Reveals Cold-Water Coral Refuge in Submarine Canyon, © 2011 Huvenne et al

Der Leiter der Expedition Dr. Veerle Huvenne vom National Oceanography Centre in Southampton (NOC) zeigte sich erstaunt und erfreut über den Reichtum an Leben unter Wasser, den die UW-Fahrzeuge der Expedition vor ihre Messgeräte und Kameras bekamen. Aufgezeichnet wurden unter anderem Kaltwasserkorallen, Muscheln, Tiefseeaustern samt zugehöriger Fauna sowie etliche Fischarten. Zudem entstanden während der Tauchgänge erstaunliche Aufnahmen von Blauhaien und Schwertfischen.

Die Whittard Canyon erwies sich für die Forscher als ein sehr dynamisches Umfeld mit starken internen Gezeitenströmen. Um diese ozeanographischen Prozesse zu untersuchen wurde ein Robotersegelflugzeug eingesetzt, das kontinuierlich die Wassersäule beobachtet hat. Ein überraschendes Ergebnis: Im Canyon bewegen sich 80 Meter hohe Strömungswellen.

Infos: noc.ac.uk und codemap2015.wordpress.com. Link zur Studie: journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0028755.

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