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Rubrik: Szene

Projekt „Gokyo": atemlos am Dach der Welt

Dienstag, 22. Mai 2012, 16:14

Neue Maßstäbe im Extremsport „Freitauchen" setzen, wissenschaftlich-medizinische Kenntnisse erweitern, Neuland betreten. So könnte das Projekt „Gokyo 2012" umschrieben werden, bei dem Christian Redl als erster Mensch in den höchstgelegenen Seen der Welt tauchen wird

Christian Redl

Spektakuläres Höhentraining im April: Christian Redl trainierte für seinen Weltrekordversuch am Dachstein im Salzkammergut, Foto: Martin Gebhardt

Weltrekorde hat der 36-jährige Freitaucher aus Wien mehr als genug. Mit nur einem Atemzug bezwang Christian Redl die Höhlen in Yucatan (Mexiko) ebenso spielerisch wie den komplett vereisten Weissensee in Kärnten. Wahre Spaziergänge im Vergleich zum geplanten Vorhaben im Himalaya: In über 5.000 Metern Höhe, am Fuße des Cho Oyu-Berges, einem der meistbestiegenen 8000er, liegen die Gokyo-Seen. Hier plant Redl zu tauchen. In der Gefahrenzone, wie Alpinisten es ausdrücken, da dort der kleinste Fehler fatale Folgen haben kann. Mit akribischer Planung und gewissenhafter Vorbereitung sowie mit dem notwendigen Respekt vor der Mission ist Redl gut beraten, denn die Seen sind spirituell bedeutsam: Ihr Wasser speist den indischen Ganges, den heiligen Fluss der Hindus.

Redl und sein Team wissen was sie tun. Das Unternehmen scheint unkalkulierbar und waghalsig zu sein. In dieser Höhe beträgt der Sauerstoffgehalt der Luft nur noch 14%. Folge: Beschleunigte Atmung und verdicktes Blut. Wie verhält sich der menschliche Organismus in dieser Höhe beim Tauchen? Diese und andere Fragen interessieren die medizinische Forschung. Die Hoffnung, mit den dort gewonnenen Erkenntnissen den Hochalpinismus sicherer zu machen, ist groß.

Dr. Heiko Renner (Oberarzt am LKH Graz, Tauchmediziner und Chirurg) bringt es auf den Punkt: „Die meisten Leute sind froh, wenn sie in dieser Höhe einen Schritt vor den anderen setzen können und wir tauchen dort ohne Luft. Selbstverständlich muss und kann sich der Körper an die Höhe anpassen. Jedoch sind viele Veränderungen noch nicht erforscht. Die Anpassung ist eigentlich die Grenze für den Alpinisten. Redl überschreitet diese Grenze deutlich. Das Horrorszenario für ihn wäre, dass er noch vor dem Tauchen eine Höhenkrankheit erleidet oder ein Lungenödem bekommt. Auch während dem Tauchgang kann es zur Bewusstlosigkeit kommen. In dieser Höhe sind die medizinischen Möglichkeiten sehr beschränkt, trotz idealer Vorbereitungen besteht hier die größte Gefahr."

Spektakuläres Höhentraining im April: Christian Redl trainierte für seinen Weltrekordversuch am Dachstein im Salzkammergut. Die erste von drei geplanten Trainingseinheiten am Dachstein-Krippenstein diente dem Training der körperlichen Ausdauer. Vom 20. bis 22. Juli findet das nächste Training am Dachstein statt. Dabei werden auch die ersten Tauchversuche unternommen. Journalisten können sich vor Ort am Dachstein ein Bild machen.

Infos und Fotos zum Projekt gibt es unter www.facebook.com/ProjektGokyo2012, Kurzvideos unter www.youtube.com/credlfreediving.

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