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Sea Explorers

Rubrik: Biologie

Rippenquallen: gefräßige Leuchten der Meere

Mittwoch, 18. November 2015, 09:08

Ein unbekannte Etwas scheint mit dem Taucher kommunizieren zu wollen. In der Tauchmaske spiegeln sich Lichtsignale, die von den acht Wimpernreihen des kleinen transparenten Tieres ausgehen. So faszinierend die Begegnung mit einer Rippenqualle auch ist, ein Massenauftreten der kleinen „Leuchten der Meere“ kann erhebliche Probleme verursachen

Rippenqualle

Farbenfroh und irgendwie unwirklich: Rippenqualle, Foto: © Sven Gust/Archiv TaucherNet

Zarte Räuber
Rippenquallen wirken in ihrer Durchsichtigkeit zart. Aber eigentlich sind sie gefräßige Räuber auf der Jagd nach winzigen Tierchen im Plankton. Größere Exemplare schnappen sich auch mal einen kleinen Fisch, einen Wurm oder eine Larve. Die Beute wird entweder direkt verschluckt oder über die Tentakel gefangen. Darauf sitzen spezielle Klebezellen, Colloblasten, die die Beute festhalten. Im Magen der kleinen Quallen wird die Beute dann durch Enzyme verdaut.

Es gibt mehr als 100 Arten von Rippenquallen in allen möglichen Größen (bis zu 1 Meter) und Formen. So besiedeln einige auch den Meeresgrund, wie etwa die Unterart „Tentaculata“, die man im Westpazifik antrifft und auf den ersten Blick für eine Anemone halten könnte.

Massenauftreten
Anfang der 1980er Jahre kamen die ersten Meerwalnüsse „Mnemiopsis leidy“ ins Schwarze Meer – wahrscheinlich als „Blinde Passagiere“ im Ballastwassertank eines Schiffes aus Amerika. Die Quallen-Invasion bliebt zunächst unbemerkt, und so vermehrten sich die Meerwalnüsse ungestört und ungebremst. Meerwalnüsse können binnen 24 Stunden ihr Gewicht verdoppeln. Das Resultat war erschreckend: Die gesamte Biomasse der Tiere im Schwarzen Meer war 1990 auf etwa eine Million Tonnen angewachsen.

Rippenqualle

Rippenqualle, Foto: © Sven Gust/Archiv TaucherNet

Andere Schätzungen gehen sogar von einer Biomasse von einer Milliarde Tonnen aus. Die Auswirkungen dieser Invasion waren gravieren: Bis zu 240 Quallen pro Kubikmeter Wasser hatten dramatische Folgen für das Ökosystem und die Fischerei. Die Quallen verstopften einerseits die Fischernetze und fraßen den Sardellenlarven andererseits die Nahrung weg. Innerhalb von nur zehn Jahren kollabierte der Bestand an Sardellen, die Fänge sanken auf unter zehn Prozent und die Fischer am Schwarzen Meer standen von dem Ruin.

Erleichterung kam dann in den 90ern durch einen anderen Neuankömmling im Ökosystem, der ebenfalls als blinder Passagier eingewandert war. Die Seebirne „Beroe ovata“ hat die Meerwalnüsse „zum Fressen gerne“ und reduzierte so die Bestände deutlich. So konnten sich auch die Sardellenbestände konnten sich wieder erholen. Seither gibt es zwei neue Arten an Rippenquallen, die im schwankenden Gleichgewicht im Schwarzen Meer leben – mit noch unbekannten Auswirkungen. Vergleichbares geschah im Kaspischen Meer wo die Meerwalnüsse wahrscheinlich über den Wolga-Don-Kanal eingeschleppt wurden. Und ähnliches könnte auch der Ostsee in den nächsten Jahren durch eingeschleppte Arten aus dem Nordatlantik blühen.

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