TauchJournal - abtauchen im netz
RSS-Feed TauchJournal aud Facebook
» News » Wissenschaft » Schönheiten in der Dunkelheit

Rubrik: Wissenschaft

Schönheiten in der Dunkelheit

Dienstag, 31. Mai 2011, 14:38

Meeresforscher des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) wollen auf einer heute beginnenden Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff „Meteor" die bisher nur wenig bekannten Kaltwasserkorallenriffe im Golf von Biskaya untersuchen. Die empfindlichen Tiefseehabitate, die Heimat vieler mariner Organismen sind, stehen durch menschliche Einflüsse wie Klimaänderungen und Fischerei erheblich unter Druck

Kaltwasserkorallen

Kaltwasserkorallen wie Lophelia Pertusa bilden an den europäischen Kontinentalhängen von Nordnorwegen bis vor die Küste Westafrikas gewaltige Riffe, Foto: Jago-Team, IFM-GEOMAR

Die vermutlich größten Korallenriffe der Erde erstrecken sich nicht vor Australien oder im Roten Meer, sondern zwischen Nordnorwegen und Mauretanien. Am europäischen und afrikanischen Kontinentalhang wachsen in mehreren hundert Metern Tiefe große Kolonien von sogenannten Kaltwasserkorallen. Im Gegensatz zu den bekannteren tropischen Korallen benötigen sie kein Licht für ihr Wachstum. Da sie in großen Tiefen leben, waren sie lange unbekannt. Die systematische Erforschung der Kaltwasserkorallen begann erst Ende des 20. Jahrhunderts. Viele Fragen sind noch ungeklärt, zum Beispiel welche Umweltbedingungen ihr Vorkommen begünstigen, welche sie schädigen oder wie sie sich genau verbreiten. Die aktuelle Fahrt des deutschen Forschungsschiffs „Meteor" unter der Leitung des Paläo-Ozeanographen Dr. Sascha Flögel vom IFM-GEOMAR soll helfen, einige dieser Fragen zu beantworten.

Die „Meteor" startet heute vom spanischen Hafen Vigo und läuft mehrere Arbeitsgebiete entlang des europäischen Kontinentalhangs in der Biskaya an. Die Wissenschaftler an Bord werden dort die Verteilung und das Vorkommen lebender und fossiler Kaltwasserkorallen dokumentieren. Außerdem untersuchen sie die Bedingungen, unter denen die Korallen dort leben. Dabei setzen die Forscher unter anderem autonome Unterwasserlabore, sogenannte Lander, sowie ozeanographische Messsonden ein, um die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Meerwassers rund um die Kaltwasserkorallen-Kolonien zu bestimmen. „Daten früherer Expeditionen zeigen, dass Kaltwasserkorallen unter sehr unterschiedlichen Bedingungen gedeihen können", sagt Flögel, „wir wollen jetzt herausfinden, welche Faktoren für ihr Vorkommen in diesem Seegebiet bestimmend sind und mit anderen Vorkommen vergleichen."

In einem zweiten Schwerpunkt der Expedition wollen Paläo-Ozeanographen untersuchen, wie sich die Wassermassen an der Grenze zwischen den flachen Schelfgebieten und den atlantischen Tiefseebecken vermischen und welche Prozesse dabei ablaufen. „Das ist im Arbeitsgebiet besonders interessant, weil dort das aus dem Mittelmeer ausströmende Wasser von Gibraltar Richtung Norden fließt", sagt Flögel. Mit präzisen Isotopenmessungen wollen die Wissenschaftler nicht nur den aktuellen Weg des Wassers nachverfolgen, sondern auch die Veränderungen der Meeresströmung in den vergangenen 2000 Jahren rekonstruieren. „Diese Daten sagen uns auch etwas über die Lebensbedingungen fossiler Kaltwasserkorallen", so Flögel. Die Forschungsreise endet am 21. Juni in Brest, Frankreich. Infos: www.ifm-geomar.de.

Schlagwörter: ,

Kurzlink:


TauchJournal-News per Mail abonnieren

RSS-Feed abonnieren RSS-Feed

Diesen Artikel weiterempfehlen:

ANZEIGE Mares

Klimawandel bedroht die schönsten Plätze der Erde

Sonntag, 19. November 2017, 10:18

Laut eines von der Weltnaturschutzunion IUCN auf der UN-Weltklimakonferenz in Bonn, Deutschland, veröffentlichten Berichts ist die Anzahl der vom Klimawandel bedrohten Weltnaturerbestätten in nur drei Jahren von 35 auf 62 gestiegen, wobei Klimawandel die am schnellsten wachsende Bedrohung ist Der Bericht „IUCN World Heritage Outlook 2“ – der Nachfolgebericht des „IUCN World Heritage Outlook von 2014“ – bewertet zum ersten Mal, inwiefern sich die Aussichten für die Erhaltung aller 241...

... mehr »

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.