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Gerade erst sind wir auf „unserer" Malediveninsel angekommen. Nur gut eine Stunde hat der Flug vom internationalen Flughafen Hulule gedauert. Das Wasserflugzeug wird direkt am Steg der Insel vertäut. In Rekordzeit haben wir eingecheckt und uns aufgemacht, um am Strand noch den Sonnenuntergang zu erleben

Twotter

Vehikel der Inselhüpfer: die „Twotter", Foto: G. Nowak

Die Sonne steht tief über dem Meer und die Wellen schwappen sanft ans Ufer. Einige Touristen sitzen bei einem kühlen Sundowner in der Open-Air Bar und genießen die romantische Stimmung. Neben mir sitzen zwei Piloten der TMA, der Trans Maldivian Airways. Beide mit einem kühlen Bier in der Hand. Sie haben für heute Feierabend. Da ein sehr früher Flug am nächsten Morgen geplant ist, müssen sie auf der Insel übernachten. Einer der Männer stellt sich als „Mike" vor. Er ist Pilot der Twin-Otter, die uns vor wenigen Minuten hierher gebracht hat. Da er sehr redselig ist, erfahre ich schnell, dass er aus Kanada kommt und dort auch gelernt hat, Wasserflugzeuge zu fliegen. Er liebt seine „Twotter", wie das gutmütige Lastflugzeug in Fliegerkreisen genannt wird. Die „DHC-6" wurde in Kanada von de Havilland Canada gebaut und ist als 20-Sitzer ideal für das Inselhüpfen auf den Malediven.

Anflug

Piloten bei der Arbeit, Foto: G. Nowak

Wenn er gemeinsam mit seinem „Co" auf Tour geht, weiß er manchmal nicht, wo er am Abend endet. Normalerweise haben er und seine Kollegen einen festen Arbeitsablauf aber manchmal verläuft so ein Tag auch nicht ganz so normal: Flugzeuge müssen kurzfristig in die Wartung, Kollegen werden krank oder irgendwie kommt der Flugplan durcheinander. So kommt es schon mal vor, dass ein Team unerwartet auswärts übernachten muss. So hat jeder im Team stets „kleines Gepäck" mit an Bord, um für eine Übernachtung gerüstet zu sein. Was aber so gut wie kein Pilot mit im Gepäck hat, sind Schuhe. Das ist eine Eigenheit der „Inselhüpfer" auf den Malediven. Viele Piloten fliegen barfuß. Ihre Uniform besteht lediglich aus kurzer Hose und Pilotenhemd. Mehr nicht. Weder Mütze noch Schuhe werden gestellt. „Ohne Schuhe fliegt es sich besser, da hat man mehr Gefühl beim Steuern, nach der Landung rutscht man auch nicht auf den nassen Kufen aus und warm ist es bei uns ja auch immer. Also für was unnütz Schuhe mitschleppen?“ So einfach begründet er das „Barfußfliegen".

Barfußpiloten

Schuhwerk der Malediven-Piloten: nicht vorhanden, Foto: G. Nowak

„Ist ja eigentlich ein cooler Job im Paradies zu arbeiten" erzählt Mike und schaut mich an. „Doch im Sommer werde ich wieder nach Kanada zurückkehren und dort weiter arbeiten.“ Versonnen blickt er aufs Meer, wo die Sichel der Sonne am Horizont verschwindet. „Irgendwann reicht es einem einfach, täglich Touristen in der Gegend herum zu kutschieren und immer wieder beneidet zu werden, wie toll doch alles hier ist." Er nippt noch einmal an seinem Bier. „Leider ist hier nicht wirklich Geld zu verdienen. Da ist Kanada doch eindeutig lukrativer, und gebraucht werden wir „importieren“ Kanadier hier auch nicht mehr." Er steht auf und dreht sich zum Gehen. „Schon vor Jahren wurden von den Maledivischen Airlines junge Einheimische auf Ausbildung in den Westen geschickt und die sind inzwischen selbst erfahrene ‚Barfußflieger'“. Er geht auf sein Zimmer, morgen früh muss er schon eine Stunde vor Sonnenaufgang die „Twotter" bereit machen – sonnengebräunte Touristen zurück nach Hulule fliegen.

Text & Fotos: Gerald Nowak

Eine "Twotter" im Anflug, Foto: G. NowakAus großer Höhe, Foto: G. NowakFlug über Male, Foto: G. NowakStart, Foto: G. NowakIm Sonnenuntergang, Foto: G. NowakEine "Twotter", Foto: G. NowakMalediven aus der Luft, Foto: G. NowakInselhüpfer, Foto: G. NowakInseln im Sonnenlicht, Foto: G. Nowak

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