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Rubrik: Tauchmedizin

Tauchen während der Schwangerschaft – ein Dauerthema

Freitag, 13. November 2015, 10:09

Eine häufig gestellte Frage unter Tauchern und bei Tauchtauglichkeitsuntersuchungen lautet: Darf ich während der Schwangerschaft tauchen? Die Antwort ist aus medizinischer Sicht eindeutig: Nein, ab dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens einer Schwangerschaft besteht absolutes Tauchverbot. Und es gilt: Eine neunmonatige Tauchpause ist sicher nicht so gravierend wie eine kindliche Fehlbildung oder ein Abort

Während einer Schwangerschaft gilt absolutes Tauchverbot

Während einer Schwangerschaft gilt absolutes Tauchverbot, Foto: © Oliver Peschke/Archiv TaucherNet

Der Grund für dieses entschiedene „Nein“: Es kann ganz einfach nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass Tauchen während der Schwangerschaft zur Schädigung des Fetus/Embryos oder sogar zum Abort des Babys führt. Medizinische Studien mit tauchenden Schwangeren gibt nicht – aus einem einfachen Grund: Studien mit schwangeren Frauen sind aus ethischen Gründen indiskutabel.

Natürlich gibt es Berichte von und über Taucherinnen, die während der Schwangerschaft normal getaucht sind und gesunde Säuglinge entbunden haben. Diese können jedoch keinesfalls als Vorbild dienen.

Die Gefahren
Der Fetus oder Embryo wird ausschließlich über die mütterliche Nabelschnur versorgt und erhält durch sie alle Nährstoffe sowie den lebensnotwendigen Sauerstoff. Die fetalen Lungen sind vor der Geburt noch nicht entfaltet. Das Blut wird fast vollständig an der Lunge vorbeigeleitet. Der Umgehungskreislauf erfolgt einerseits über das offene Foramen ovale (ovales Loch) zwischen dem rechten und linken Herzvorhof und andererseits über den so genannten Ductus arteriosus Botalli, einem Gefäßkurzschluss zwischen den beiden großen ab- und zuführenden Gefäßen der Hauptkammern des Herzens. Durch diese beiden Shunts können Gasblasen oder Microbubbles mit Leichtigkeit ungehindert von dem venösen Schenkel auf die arterielle Seite übertreten.

Die durch Dekompression entstehenden Stickstoffblasen bilden sich zunächst im mütterlichen Blut und werden durch die Nabelschnur in den kindlichen Kreislauf transportiert. Die Plazenta (Mutterkuchen) stellt zwar einen natürlichen Filter dar, kann jedoch bei überkritischer Sättigung versagen. Stickstoffembolien der Plazenta oder des Fetus sind somit theoretisch möglich.

Der Blutkreislauf vor und nach der Geburt

Der Blutkreislauf vor (li.) und nach der Geburt (re.), Grafik: © Anke Fabian/Archiv TaucherNet

Zudem könnte auch eine Aufsättigung des Kindes beim Auftauchen zur Blasenentstehung führen, welche bei vorliegendem Shunt (Kurzschluss) zwischen venösem und arteriellem System fatal sein könnte.

Eine sichere Tauchtiefe gibt es nicht. Gasblasen sind zwar bei flachen Tauchgängen eher unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Zudem ist völlig unklar auf welche Weise sich eine eventuell notwendige Rekompressionstherapie der Mutter nach einem Tauchunfall auf das ungeborene Kind auswirken würde.

Paare mit Kinderwunsch, sollten in der Zeit der Nachwuchsplanung keinen Tauchurlaub buchen. Wurde während der Schwangerschaft trotzdem getaucht und ist die Schwangerschaft intakt, besteht kein Grund zum Abbruch der Schwangerschaft.

Nach der Geburt und Stillzeit
Nach der Geburt ist die Tauchtauglichkeit dann wieder gegeben, wenn der Wochenfluss und die Wundheilung (Dammriss- oder schnitt, Kaiserschnitt) abgeschlossen sind und die Mutter sich wohl und erholt fühlt.

Durch die Schwangerschaft und den Geburtsvorgang sind der Beckenring, die Schambeinfuge, Beckenboden und die Bänder noch gelockert und gedehnt. Die Handhabung der schweren Ausrüstung könnte eine Blasensenkung begünstigen. Beim Heben von Flaschen und Bleigurten sowie beim Anziehen der Tarierweste ist somit die Hilfe des stolzen Vaters sehr willkommen.

Tauchverbot während Schwangerschaft

Tauchverbot während Schwangerschaft, Foto: © Anke Fabian/Archiv TaucherNet

Während der Stillzeit kann durchaus getaucht werden. Stickstoffblasen sind zwar gut fettlöslich und lösen sich hervorragend in der Muttermilch, werden allerdings bereits beim Saugvorgang weitgehend entsättigt.

Eine weitere Entsättigung erfolgt dann im kindlichen Magen. Schädigungen durch übertretende Stickstoffblasen sind damit ausgeschlossen. Die weit offenen Milchkanäle jedoch stellen eine Eintrittspforte für Keime dar, weswegen eine peinlich genaue Hygiene eingehalten werden muss.
Bei Mastitis (Brustentzündung) gilt ein absolutes Tauchverbot.

Zudem ist es extrem wichtig auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, da die Mutter beim Stillen einen erheblich gesteigerten Flüssigkeitsbedarf hat. Im Falle eines Rückganges der Milchproduktion liegt meist ein Flüssigkeitsdefizit vor.

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