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Rubrik: Umwelt

Todesfalle Plastikmüll: Klettereinsatz am Helgoländer Vogelfelsen

Freitag, 11. Dezember 2015, 09:52

In einem gemeinsamen Pilotprojekt haben sich am Mittwoch, den 9. Dezember 2015 erstmalig Umweltaktivisten und Journalisten am Helgoländer Lummenfelsen abgeseilt, um unter wissenschaftlicher Aufsicht plastikverseuchte Vogelnester zu bergen

Helgoländer Lummenfelsen

Am Helgoländer Lummenfelsen werden plastikverseuchte Vogelnester geborgen, Foto: © Greenpeace

Mit dem Klettereinsatz startet in Deutschlands kleinstem Naturschutzgebiet ein Forschungsprojekt zu den Folgen des Plastikmülls im Meer. Am Lummenfelsen verenden immer wieder Basstölpel und Trottellummen qualvoll in Plastikfäden, die die Seevögel über lange Distanzen aus dem Meer fischen und zum Nestbau verwenden. Jungvögel sind besonders stark betroffen. Der Bestand beider Arten ist durch die Verstrickungen nicht gefährdet, die Vögel sterben jedoch einen langsamen und qualvollen Tod und bleiben mitunter jahrelang hängen.

Auf Initiative von Greenpeace und dem Magazin GEO soll untersucht werden, wie viel und welche Art von Plastik zum Nestbau genutzt wird, woher es stammt und ob durch menschlichen Eingriff das Vogelsterben verringert werden kann. Dazu fehlen bislang grundlegende Daten. Die Ergebnisse sollen zudem genutzt werden, um Ursachen des Plastikproblems am Lummenfelsen zu bestimmen. „Der Ozean ist die größte Müllkippe des Planeten“, sagt Lars Abromeit, Redakteur für Meeresthemen und Expeditionen bei GEO. „Die Folgen verlieren wir schnell aus den Augen, aber sie kommen zu uns zurück. Mit unserem Pilotprojekt wollen wir darauf aufmerksam machen und die Erforschung von Lösungsansätzen voranbringen.“

Dolly Ropes

Dolly Ropes an Grundschleppnetzen: Quelle einer permanenten Plastikverschmutzung, Grafik: © Greenpeace

Bereits aus der Distanz fallen am Lummenfelsen bunte Plastikfäden auf. Viele davon sind Rückstände sogenannter „Dolly Ropes“. Die industrielle Fischerei verwendet diese Scheuerschutzfransen weltweit, um schwere Grundschleppnetze vor Abnutzung zu schützen. Sie sind Verschleißartikel und so konstruiert, dass bei Bodenkontakt einzelne Fäden abreißen. „Mit dieser einkalkulierten, permanenten Plastikverschmutzung verstößt die Fischereiindustrie gegen geltendes internationales Recht“, sagt Sandra Schöttner, Meeresexpertin von Greenpeace. „Die deutsche Politik muss dieser Praxis einen Riegel vorschieben und Dolly Ropes verbieten. Wir brauchen einen Umstieg auf umweltschonende, biologisch abbaubare Alternativen. Die Fischerei mit tonnenschwerem Grundschleppgeschirr ist ohnehin zerstörerisch wie keine andere.“

Umweltschützer und Forscher nutzten bei ihrer Aktion die Zeit außerhalb der Brutsaison, um in einem definierten Bereich am nördlichen Teil des Felsens an die Nester zu gelangen. Dabei wurden in einem Teilabschnitt einige Nester geborgen, in einem weiteren wurden sie von herausstehenden Plastikschlingen befreit. Ein dritter Felsabschnitt blieb als Referenzbereich unberührt.

Die wissenschaftliche Auswertung übernimmt eine Kooperation bestehend aus dem Verein Jordsand, Biologische Anstalt des Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ und Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) der Universität Kiel und wird von Greenpeace begleitet. Infos: www.greenpeace.de.

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