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Rubrik: Biologie

Tumor-Epedemie bedroht den Bestand der Grünen Meeresschildkröte

Montag, 11. Juli 2016, 10:08

Der ohnehin schon gefährdete Bestand der Grünen Meeresschildkröte steht einer bisher noch nicht eindeutig zu erklärenden Bedrohung gegenüber, die inzwischen dramatische Ausmaße annimmt. Große Teile der geschätzt weltweit noch rund 200.000 existierenden Tiere sind von einer heimtückischen Krankheit befallen, deren Ursache – so wird vermutet – auf menschliche Einflüsse zurückzuführen sind

Grüne Meeresschildkröte

Diese Grüne Meeresschildkröte leidet an starker Fibropapillomatosis. Die Tumorbildungen –obwohl gutartig – können im Mund- und Rachenraum auftreten und die Atmung sowie Nahrungsaufnahme beeinträchtigen, an den Flossen behindern sie das Schwimmen, Foto: © NOAA, Ursula Keuper-Bennett, Peter Bennett

Karina Jones von der James Cook Universität im australischen Townsville kam in den vergangenen drei Jahren bei ihren Untersuchungen zum Ergebnis, dass ein heimtückischer Herpesvirus, der in fast 90 Prozent aller Schildkröten „schlummert“, durch noch nicht eindeutig identifizierte äußere Einflüsse aktiviert werde und eine Krankheit namens „Fibropapillomatosis“ (F.P) auslöse die in ihrem Verlauf das Wachstum von bis zu 30 Zentimeter großen Tumoren verursacht.

Diese Tumore seien zwar nicht bösartig, würden sich aber, so die Erkenntnisse der Forscher, vornehmlich an den Augen, Flossen, am Schwanz, am Panzer oder auch an inneren Organen der Schildkröten entwickeln. Mit fatalen Folgen, so Jones, denn die Geschwüre seien dafür verantwortlich, dass die Schildkröten kein Futter mehr finden könnten, bewegungseingeschränkt seien und keine Fressfeinde oder Boote mehr erkennen würden.

Die Forscherin, die in der Mitte des Great Barrier Riffs im australischen Townsville arbeitet, identifizierte einen Bereich um Cockle Bay an der vor Townsville gelegenen Insel „Magnetic Island“ als einen der Hotspots der geheimnisvollen Krankheit. Ein Bereich, der durch umfangreiche touristische Aktivitäten geprägt ist. Hier seien schon ungefähr 50 Prozent der Grünen Schildkröten befallen, während es in anderen Bereichen nur rund 10 Prozent seien, lauten die alarmierenden Ergebnisse der Forscherin.

Dass es sich bei dem Ausbruch der F.P. nicht nur um ein regional begrenztes Problem handelt, wird durch Nachrichten aus Florida und Hawaii deutlich, denn auch hier wird ein Anstieg der heimtückischen Geschwülste beobachtet.

Die exakten Ursachen sind zwar noch nicht gefunden, aber – so Jones – „umweltschädigende Vergiftungen oder Einleitungen stehen auf der Verdachtsliste ganz oben“, erklärte die Forscherin in einem Artikel des New Scientist. „Die meisten Schildkröten tragen zwar den „schlummernden“ Virus in sich, aber wir glauben, dass es einen externen Impuls geben muss, der das Tumorwachstum auslöst.“

F.P-Tumor

Ein entfernter F.P-Tumor einer Schildkröte, Foto: Screenshot Youtube-Video NewScientist

Das sieht auch Doug Mader vom Turtle Hospital in Marathon/Florida so, der einen deutlichen Anstieg der Krankheit feststellt und ebenso menschliche Einleitungen für den Auslöser des Problems hält. In Florida und auf Hawaii ist Fibropapillomatosis besonders in der Nähe von küstennahen, intensiv genutzten Landwirtschaftsflächen aufgetreten.

Die australische Forscherin erklärte, dass die nächsten Schritte sein müssten, die exakten Verursacher des Problems zu analysieren. Karina Jones und ihr Team machen sich an die Detektivarbeit und untersuchen zurzeit historische Wasserdaten und vergleichen sie mit den heutigen Ergebnissen. Auch werde man umfangreiche Wassertests durchführen in denen chemische Bestandteile aus den Bereichen Schwermetalle, Düngemittel und Pestizide separiert und identifiziert werden sollen.

Und in der Tat drängt die Zeit, denn die Grüne Meeresschildkröte, die in Deutschland auch Suppenschildkröte genannt wird, ist extrem vom Aussterben bedroht. Die zweitgrößte Meeresschildkröte kann bis zu 200 Kilogramm schwer und rund eineinhalb Meter lang werden.

Sie lebt vorwiegend in warmen, tropischen Meeren und ihre Brutstätten befinden sich an Stränden und in Buchten in Australien, Florida, Hawaii, sowie Costa Rica und Japan. Sie ist auf der Roten Liste gefährdeter Arten aufgeführt und ihr Bestand wird durch übermäßiges Einsammeln und verwerten der Gelegeeier, die Jagd auf erwachsene Tiere sowie durch Fischerei (Netze, Langleinen) und den voranschreitenden Verlust ihrer Strände für die Eiablage durch touristische Nutzung reduziert. Da brauchen diese bedrohten Tiere nicht auch noch weitere Feinde durch menschlich verursachte Krankheiten. (hap)

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