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Rubrik: Wissenschaft

Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Mittwoch, 23. August 2017, 07:37

Am Dienstag, den 22. August ist das Forschungsschiff „Polarstern“ im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis gestartet: Der autonome Unterwasserroboter „TRAMPER“ soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen

TRAMPER

Mitglieder der Helmholtz-Allianz ROBEX testen das Unterwasserfahrzeug „TRAMPER" im Becken des DFKI Bremen. In ROBEX arbeiten Tiefsee- und Weltraumforscher zusammen, um Technologien weiterzuentwickeln. So wollen Wissenschaftler des AWI zukünftig die Tiefsee in der Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland mit autonomen Unterwasserfahrzeugen wie dem „TRAMPER" erforschen, Foto: © Lars Grübner

„TRAMPER“ und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

Polarstern

Das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ in der zentralen Arktis, Foto: © Mario Hoppmann

„Auftauchen wird der ‚TRAMPER'“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der Biogeochemiker hat den Tiefsee-Crawler gemeinsam mit AWI-Ingenieuren entwickelt und auf einer „Polarstern“-Expedition am 11. Juli 2016 im Arktischen Ozean ausgebracht – wir berichteten. Für den Fall, dass die Wissenschaftler das Gerät nicht direkt von Bord akustisch ansteuern und aufsteigen lassen können, ist das ROV „Kiel 6000“ vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel mit an Bord. Das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug kann, im Notfall, den Ballastabwurf mechanisch auslösen und der „TRAMPER“ kommt an die Wasseroberfläche.

Wenzhöfers Gedanken kreisen um den Datenschatz, den er sich erhofft: „Ich bin sehr gespannt, ob ‚TRAMPER' alle seine vorprogrammierten Messungen wie geplant durchgeführt hat“, sagt der wissenschaftliche Leiter der Polarstern-Expedition. „Wir haben in der ROBEX-Allianz natürlich bei der Berechnung des Strombedarfs mit einbezogen, dass der Unterwasserroboter ein Jahr lang, ohne jeglichen Kontakt, in rund 2.500 Metern Tiefe extremen Temperaturen von etwa minus 0,8 °C ausgesetzt ist. Da einen solchen Einsatz jedoch vor uns in der Arktis noch niemand gewagt hat, besteht ein Risiko, dass irgendetwas nicht so geklappt hat, wie vorher berechnet“, so Wenzhöfer.

TRAMPERNOMADNOMAD

Der wissenschaftliche Auftrag von „TRAMPER“ ist die kontinuierliche Messung der Sauerstoffzehrung am Meeresboden. Jeden Montag fährt er dafür 15 Meter über den Meeresgrund, um eine ungestörte Fläche zu erreichen. Eine Bilderkennungskamera prüft dort die Oberfläche: Sollten Steine oder ähnliches zu erkennen sein, fährt „TRAMPER“ noch einmal einen Meter weiter. Anschließend erfolgt eine hochauflösende Fotografie der Messstelle, bevor die eigentliche Messung beginnt. Dabei werden Sensoren in kleinen Schritten von 0,1 Millimeter in das Sediment gefahren, die die Sauerstoffverteilung in den oberen zehn Zentimetern Meeresboden messen. Anschließend geht das Gerät für eine Woche in den Ruhezustand, damit die Energie für die über 52 Wochen Messzyklus reicht. Die übergeordnete Fragestellung der Sauerstoffmessungen ist, wie der Kohlenstoffkreislauf im Meer genau funktioniert, die Organismen am Meeresboden mit Nahrung versorgt werden und welche Veränderungen im Zuge des Klimawandels auftreten. Die Wissenschaftler planen, die Daten auszulesen, den „TRAMPER“ mit neuen Sensoren und Batterien zu bestücken und ihn ein weiteres Jahr im Langzeitobservatorium AWI-Hausgarten einzusetzen.

„Besonders spannend wird die Expedition auch für die ROBEX-Weltraumforscher, die teilweise erstmals auf einem Schiff arbeiten“, sagt die ROBEX-Koordinatorin Martina Wilde (ROBEX steht für Robotische Exploration unter Extrembedingungen). Sie erproben gemeinsam mit Tiefseeforschern weitere innovative Schlüsseltechnologien. So sollen zwei große Brüder von „TRAMPER“ erstmals in der arktischen Tiefsee eingesetzt werden: der ebenfalls am AWI entwickelte „NOMAD“ und der autonome Crawler „VIATOR“ der unter der Führung vom GEOMAR gemeinsam mit Airbus und dem Deutschen Zentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) entworfen und getestet wurde. „VIATOR“ geht von seiner Basisstation „MANSIO“ aus auf wissenschaftliche Erkundungsfahrt und findet mithilfe von Navigationssoftware und –markern aus der Raumfahrt selbständig zurück zu seiner „Garage“.

Das MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen, Airbus und die Universität Würzburg haben gemeinsam einen Gleiter entwickelt, dessen besondere Herausforderungen in dem konstruktiven Design eines Unterwasser-Nurflüglers und dessen Steuerung liegen, die eine räumlich hochauflösende Untersuchung der oberen Ozeanschicht ermöglichen. Weiterentwickelte unbemannte Luftfahrzeuge des AWI und der Universität Würzburg sollen das autonome Unterwasserfahrzeug „PAUL“ vom AWI bei der Navigation in schwer zugänglichen, eisbedeckten Regionen unterstützen. Außerdem wird das „Lab on a Chip“ getestet, ein hochintegriertes, miniaturisiertes Analysegerät für chemische Messungen, das sowohl in unterschiedlichen Unterwassertechnologien, als auch in zukünftigen Raumfahrtsystemen eingebaut werden kann.

Infos: www.awi.de.

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