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Rubrik: Wissenschaft

Ältester fleischreißender Knochenfisch entdeckt

Montag, 29. Oktober 2018, 18:05

In den rund 150 Millionen Jahre alten Plattenkalkablagerungen des Steinbruchs Ettling (Markt Pförring) wurde bei Grabungen des Jura-Museums Eichstätt eine sensationelle neue Fischart entdeckt. Ein Forscherteam des Jura-Museums Eichstätt, der australischen James Cook University und der Universität Erlangen hat diese Fischart untersucht und kürzlich in der Zeitschrift Current Biology beschrieben

Fossil mit Details

Foto des Fossils im Jura-Museum Eichstätt inkl. Details der Zähne, Foto: © M. Ebert & Th. Nohl

Mikroskopische Untersuchung und CT-Scans der Kiefer des Fossils zeigen lange, spitze Zähne entlang der Außenseite des Vomer (ein Knochen, der das Gaumendach bildet) und an der Spitze von Unter- und Oberkiefer. Die Präartikularknochen, die entlang der Seiten des Unterkiefers liegen, tragen dreieckige Zähne mit gezähnelten Schneidekanten.

Piranhamesodon

Lebendrekonstruktion von Piranhamesodon, Grafik: G. Horsitzky, Jura-Museum Eichstätt

Zahnmuster, Zahnform, Kiefermorphologie und Kiefermechanik deuten auf ein Maul hin, das, wie das internationale Forscherteam berichtet, ausgerüstet war, um Fleisch oder Flossen zu schneiden. Indizien weisen auf die Möglichkeit hin, dass sich diese frühen, Piranha-ähnlichen Fische der aggressiven Mimikry bedienten, sich also hinter einem scheinbar harmlosen Äußeren tarnten, um dann umso effektiver anzugreifen; eine erstaunliche Parallele zum Fressverhalten moderner Piranhas.

Besonders verblüffend: Der Fisch gehört zu einer ausgestorbenen Fischgruppe, die für pflasterartige Knackzähne bekannt sind. Es ist, als träfe man auf ein Schaf mit den Reißzähnen eines Löwen. Für Knochenfische ist diese Ernährungsweise sehr ungewöhnlich. Die Fleischfresser unter ihnen knacken normalerweise schalentragende Wirbellose oder schlucken ihre Beute – meist andere Fische – am Stück. Fleischstücke oder Flossen herausbeißen, das können nur extrem wenige.

Der neue Fund stellt die älteste Überlieferung eines Knochenfisches dar, der in der Lage war, Stücke aus anderen Fischen herauszubeißen. In denselben Plattenkalkablagerungen des Ettlinger Steinbruchs fanden sich auch die Opfer – Fische deren Flossen angebissen wurden.

„Das ist eine erstaunliche Parallele zu modernen Piranhas, die sich überwiegend nicht vom Fleisch, sondern von den Flossen anderer Fische ernähren. Es ist ein bemerkenswert kluger Schachzug, da die Flossen nachwachsen; eine saubere erneuerbare Nahrungsquelle. Friss einen Fisch und er ist tot; knabbere seine Flossen und du hast Nahrung für die Zukunft", erklärt Prof. David Bellwood von Coral CoE an der James Cook University.

Infos: http://www.jura-museum.de und https://www.coralcoe.org.au.

Link zur Studie: www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)31208-9.

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