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Rubrik: Umwelt

Ausbleibende Fischereikontrollen infolge der Corona-Pandemie

Donnerstag, 16. April 2020, 14:04

Die Corona-Pandemie sorgt international für ausbleibende Fischerei-Kontrollen. Aufgrund der aktuellen Sicherheitsauflagen werden viele der erforderlichen Kontrollen auf See und in den Häfen gelockert oder ausgesetzt. Die Gesundheit aller Beteiligten steht zweifellos an erster Stelle. Der WWF sieht jedoch vor allem in unkontrollierten Umladungen auf See ein großes Einfallstor für illegale Fänge. Er fordert, statt auf die Fischereibeobachter stärker auf elektronische Maßnahmen wie die Auswertung von Satellitendaten zur Kontrolle zu setzen

Heringe

Heringe auf einem Fischmarkt, Foto: © Kritzolina / CC BY-SA

„Seit einigen Wochen ziehen Länder Fischereibeobachter von ihren Posten auf den Fangschiffen ab. Auch Fischerei-Strafverfolgungsbehörden und Beobachtungseinrichtungen reduzieren das Personal. Der WWF sieht dadurch die flächendeckende Kontrolle der Fischereiindustrie gefährdet und befürchtet, dass illegale Aktivitäten weltweit zunehmen könnten“, warnt Philipp Kanstinger, Fischereiexperte beim WWF Deutschland.

Während kleine Fischerboote an der Küste derzeit häufig in den Häfen liegenbleiben, operieren viele der großen Fangschiffe weiterhin auf offener See. Die Schiffe können dort wochenlang bleiben und die Fänge in großen Kühlkammern lagern. Sind diese voll, werden die gefangenen Fische auf Transportschiffe umgeladen und ans Festland transportiert. Bei der Umladung muss ein staatlicher Fischereibeobachter anwesend sein, der die Fischarten und Mengen dokumentiert. Der Fischereibeobachter kontrolliert auch, dass nicht mit illegalen Fangmethoden gefischt wird, und dokumentiert Rückwürfe und den Fang bedrohter Arten. In einer offiziellen Mitteilung erklärten Japan, China und Taiwan allerdings in der letzten Woche, dass sie aufgrund der Gefährdung durch COVID-19 die Umladungen der Fänge auch ohne staatliche Beobachter fortführen. Ohne Kontrollen sind illegalem Handeln nun Tür und Tor geöffnet.

Um das Aufweichen von gesetzlichen Auflagen wie dem Einsatz von Beobachtern zu kompensieren und illegale Aktivitäten auf hoher See zu verhindern, fordert der WWF die regionalen Fischereiorganisationen auf, elektronische Kontrollmaßnahmen zu verstärken. Das in der weltweiten Schifffahrt genutzte Anti-Kollisionssystem „Automatic Identification System“ (AIS) liefert via Satellit Daten zur Identifizierung, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung eines Schiffes. Sowohl Fang- als auch Transportschiffe sollten jetzt die Auflage haben, diese AIS-Daten kontinuierlich zu senden. Die Satelliten-Daten des Vessel Monitoring System (VMS) ergänzen diese Angaben. Sie übermitteln ähnliche Daten, die direkt an die nationalen Kontrollbehörden gesendet werden. Der WWF fordert eine mindestens stündliche Abfrage des Signals, um ein genaues Bild der Aktivitäten auf See zu bekommen.

Zudem fordert der WWF den Einsatz von Kameras an Bord. Unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte sollen sie den Fang protokollieren, wenn er an Bord gebracht wird, um die Einhaltung der Regularien sicherzustellen.

“Kontrollen dürfen nicht soweit aufgeweicht werden, dass wir nach der COVID-19-Krise in eine weitere Krise rutschen, in der Fischbestände kollabieren und damit die Nahrungsmittelsicherheit von Küstengemeinden weltweit gefährdet ist“, appelliert Kanstinger. „Das Fischereimanagement muss jetzt handeln und das elektronische Monitoring verstärken, um illegale Fischerei zu verhindern. Außerdem müssen die Fischereibeobachter wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, sobald es die Lage zulässt.“

Illegale und nicht gemeldete Fischerei (IUU) ist eines der größten Hindernisse bei der weltweiten Durchsetzung einer nachhaltigen Fischerei. Sie verursacht finanziellen Schaden im Wert von 9 bis 21 Milliarden Euro pro Jahr. Der WWF setzt sich dafür ein, den illegalen Fang und Handel zu stoppen und nachhaltige Fischerei zu unterstützen.

Infos: https://www.wwf.de.

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