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Rubrik: Biologie

Beluga-Wale haben ein empfindlicheres Gehör als bisher angenommen

Mittwoch, 4. Juli 2018, 09:55

Wissenschaftler haben die ersten Hörtests an einer wilden Population gesunder Meeressäuger durchgeführt. Die Tests an Beluga-Walen in der Bristol Bay (Alaska) ergaben, dass die Wale ein empfindliches Hörvermögen haben und die Zahl der Tiere, die einen starken Hörverlust erlitten haben, weit unter dem lag, was die Wissenschaftler erwartet hatten

Beluga-Wal

Beluga-Wale haben kleine äußere Ohröffnungen, die sich einige Zentimeter hinter jedem Auge befinden, Foto © Alaska Department of Fish and Game

Letztere Ergebnisse standen im Gegensatz zu den Erwartungen aus früheren Studien mit Menschen und Tümmlern, die im Alter einen Hörverlust zeigten, so Aran Mooney, Biologe an der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) und Hauptautor von zwei neuen Studien über Beluga-Wale: „Anders als die freilebende Beluga-Population lebten die untersuchten Delfine in einer sehr lauten Umgebung, wie es die meisten Menschen tun."

In einer Zeit, in der der Lärm im Meer durch menschliche Aktivitäten wie Öl-, Gasförederung und Schiffsverkehr zunimmt, ist das Verständnis der natürlichen Hörfähigkeiten von Walen und anderen gefährdeten Meeressäugern entscheidend für die Beurteilung potenzieller Lärmauswirkungen auf Tiere und für das Management, um schallbedingte Hörverluste zu mindern.

In den beiden Studien haben WHOI-Forscher und ihre Kollegen die Hörempfindlichkeit von 26 wilden Belugas gemessen und dann die Audiogramme mit akustischen Messungen in ihrem Sommerlebensraum in Bristol Bay verglichen, um zu untersuchen, wie natürliche Klanglandschaften – alle Geräusche der Umgebung – die Hörempfindlichkeit beeinflussen können. Die Geräuschkulisse enthüllt auch akustische Hinweise, mit denen die Belugas navigieren können. Die erste Studie wurde im Journal of Experimental Biology veröffentlicht. Die Ergebnisse der Soundscape-Studie wurden jetzt im Journal of Ecoacoustics veröffentlicht.

„Im ersten Beitrag haben wir das Hörvermögen der Beluga-Population charakterisiert", sagt Mooney. „Im zweiten Beitrag stellen wir das in Zusammenhang, um zu sehen, wie sie akustische Unterschiede in ihrem Lebensraum nutzen können und wie ihr Gehör durch den natürlichen Umgebungslärm in ihrer Umgebung beeinflusst wird.“

Wie testet man das Gehör eines Beluga-Wals? Die Forscher wendeten die gleiche Screening-Methode an, mit der Ärzte das Gehör von Neugeborenen testen, die noch nicht stimmlich darauf reagieren können, ob sie Geräusche hören oder nicht: die automatisierte akustische Hirnstammreaktion.

Ein Saugnapfsensor wird sanft auf den Kopf der Wale, direkt hinter dem Blasloch, und ein weiterer auf der Rückseite als Referenz platziert. Eine Reihe von leisen Tönen wird gespielt, und die Sensoren helfen, die Reaktion des Gehirns auf die Geräusche zu messen.

„Es ist ziemlich einfach", sagt Mooney. „Wir mussten nur ein tragbares System bauen, das wir in eine extreme Umgebung bringen konnten, um die Hörtests durchzuführen." Der Test selbst dauert nur etwa fünf Minuten, um jede Frequenz zu messen. Der schwierigste Teil, so Mooney, ist, die Tiere zu fangen.

Dabei vertrauten die Forscher auf die Expertise der Eingeborenen, die Belugas jagen. Von kleinen Aluminiumbooten aus näherte sich das Team einem einzelnen erwachsenen Wal – in den flachen Gewässern der Bucht wurden keine Kälber untersucht. Die Wale wurden in einem weichen Netz gefangen. Die Forscher gingen ins Wasser, um den Schwanz des Tieres mit einem Seil zu sichern, bevor sie ihn zu einem Bauchband (eine kleine Trage) neben ein weiches Schlauchboot bewegten, wo dann die Hörtests stattfanden.

„Die Belugas blieben während der Tests relativ entspannt und setzten scheinbar ein Ruheverhalten ein, mit dem sie Killerwalen entkommen können", erklärt Mooney. „Wenn ein Killerwal sie jagt, wandern Belugas oft in sehr flaches Wasser und bleiben dort, bis sie sicher in tiefere Gewässer zurückkehren können."

Zusätzlich zu den Hörtests führten die Forscher körperliche Untersuchungen durch. An einigen der Wale wurden vor der Freilassung Satellitensender angebracht, um die Bewegungen der Wale zu studieren.

Die Hörtests ergaben wenig Hörverlust in den scheinbar älteren Bevölkerungsgruppen, was daran liegen könnte, dass die Mündung, in der die Belugas leben, im Vergleich zu anderen, städtischen Gebieten ziemlich ruhig ist.

„Weil es keine anderen Studien über das Gehör von wilden Meeressäugern gab, haben wir die Ergebnisse mit früheren Studien über gefangene Delphine in San Diego und in Russland verglichen. Die Delphine zeigten im Alter einen deutlichen Hörverlust, aber die Gruppe aus San Diego lebt in einer sehr lauten Umgebung", so Mooney.

Infos: www.whoi.edu.

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