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Rubrik: Umwelt

Erste gesicherte Kegelrobbengeburt an der deutschen Ostseeküste

Montag, 12. März 2018, 17:18

Am Donnerstag, den 8.März 2018, wurde dem Deutschen Meeresmuseum Stralsund der Totfund eines Kegelrobbenjungtieres im Lanugofell bei Kap Arkona im Norden der Insel Rügen gemeldet. Ein Rest der frischen Nabelschur war noch vorhanden. Das Tier wurde am Freitag sofort am Deutschen Meeresmuseum seziert. Dabei wurde nachgewiesen, dass die Lunge belüftet war und das Jungtier somit kurze Zeit nach seiner Geburt noch lebte

Kegelrobben

Kegelrobben am Großen Stubber, Foto: © Foto: Linda Westphal/Deutsches Meeresmuseum

„Das Jungtier muss kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt oder verlassen worden sein, denn es hatte noch keine Nahrung zu sich genommen. Ob diese Trennung durch eine Störung verursacht wurde, ist derzeit unklar“, sagt Dr. Harald Benke, Direktor des Deutschen Meeresmuseums. „Schon seit einigen Jahren warten Experten auf die erste dokumentierte Kegelrobbengeburt in Mecklenburg-Vorpommern – nun ist es soweit!“

In der gesamten Ostsee gab es um 1900 etwa 100.000 Kegelrobben. Zwanzig Jahre später wurde die letzte Kegelrobbe in der deutschen Ostsee erlegt. Die gezielte Bejagung, aus Angst vor dem Verlust von Fischereierträgen, war der Hauptgrund für das Verschwinden der Kegelrobbe aus deutschen Gewässern. In den 1980er Jahren ließen Umweltgifte die Anzahl der Tiere in der gesamten Ostsee auf 2.500 Tiere schrumpfen. Zu diesem Zeitpunkt war die Ostseekegelrobbe akut vom Aussterben bedroht.

Kegelrobbenvitrine

Kegelrobbenvitrine in der Ostseeausstellung des Ozeaneums Stralsund, Foto: © Johannes-Maria Schlorke/OZEANEUM Stralsund

Nach dem Verbot von schädlichen Weichmachern und Insektiziden, sowie der Unterschutzstellung der Art wuchs die Kegelrobbenpopulation der Ostsee wieder an. Heute sind ca. 30.000 Tiere in der Ostsee beheimatet – immer noch weniger als um 1900. Seit dem Jahr 2005 werden wieder regelmäßig Kegelrobben an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns beobachtet. Besonders am Großen Stubber, einer steinigen Untiefe im Greifswalder Bodden, zeigen sie sich ständig. Auffällig ist, dass bisher überwiegend Jungbullen beobachtet wurden.

Um eine erfolgreiche Wiederansiedlung zu ermöglichen und den Bestand zu sichern, sind jedoch auch dauerhaft geschützte Wurfplätze erforderlich. Solche Liegeplätze müssen überflutungssicher und seeseitig gut zugänglich sein. Kegelrobbenweibchen mögen dabei besonders Gebiete die steinig oder sogar vereist sind, um ihre Jungtiere im Februar und März zur Welt zu bringen. Die Jungtiere sind durch ein weißes weiches Fell, das sogenannte Lanugofell, sehr gut vor Kälte geschützt, jedoch nicht vor Nässe. Nasses Lanugofell verliert seine isolierende Wirkung und ist somit nicht zum längeren Schwimmen geeignet. In der sensiblen Wurfzeit ist es wichtig, dass die Tiere nicht gestört werden, um zu verhindern, dass das Jungtier von der Mutter getrennt wird. Ob solche geschützten und einsamen Orte an der deutschen Ostseeküste zu finden sind und dann auch von den Kegelrobbenweibchen angenommen werden, war bisher unklar.

Mit dem Anstieg der Kegelrobbenzahlen in den vergangenen Jahren, sowie der dauerhaften Nutzung der Aufenthaltsorte rund um Rügen, werden Geburten an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern wieder wahrscheinlicher. Vorerfahrungen von der Helgoländer Düne zeigen, dass es notwendig ist, den Tourismus so naturverträglich wie möglich zu gestalten und somit die potentiellen Wurfplätze der Kegelrobben zu schützen. Außerdem ist es nun noch stärker als vorher erforderlich naturverträgliche Fischereimethoden zu etablieren, die eine Koexistenz von Robben mit der Fischerei ermöglichen.

Das Deutsche Meeresmuseum bittet um Meldung von Kegelrobbenfunden an den Stränden Rügens unter der Telefonnummer (03831) 2650 3333. Touristen und Strandgänger verhalten sich nur dann richtig, wenn Sie ruhig bleiben, Hunde an die Leine nehmen, mindestens 100 Meter Abstand zu den Robben halten und den Tieren nicht den Weg zum Wasser versperren. Niemals sollten sich Menschen zwischen Mutter und Jungtier stellen oder Tiere scheuchen, füttern oder berühren.

Infos: www.deutsches-meeresmuseum.de.

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