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Rubrik: Wissenschaft

Forschungsschiff „Polarstern“ Richtung Antarktis gestartet

Montag, 12. November 2018, 09:18

Am 11. November 2018 hat das Forschungsschiff „Polarstern“ seinen Heimathafen Bremerhaven Richtung Kapstadt verlassen. Damit beginnt die Antarktissaison, in der ozeanografische Arbeiten im Weddellmeer und die Versorgung der „Neumayer-Station III“, das Larsen C-Schelfeisgebiet sowie die Südlichen Shetlandinseln auf der Forschungsagenda stehen. Ende Juni 2019 wird das Schiff in Bremerhaven zurückerwartet

Forschungsschiff "Polarstern"

Das Forschungsschiff „Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts verlässt seinen Heimathafen Bremerhaven, Foto: © Folke Mehrtens

Herzstück der Forschungsreise wird eine Expedition zum Larsen C Schelfeis an der Antarktischen Halbinsel sein. Die Antarktische Halbinsel ist eine der Regionen der Erde, die sich am schnellsten erwärmen. Als mögliche Folge sind in den Jahren 1995 und 2002 erst das Larsen A Schelfeis und später das Larsen B Schelfeis fast vollständig zerfallen. Dadurch verbleibt nur noch das Larsen C Schelfeis als letztes großes Schelfeis im westlichen Weddellmeer. Im Juli 2017 kalbte dort der Eisberg „A68“ – mit etwa 5.800 Quadratkilometern einer der größten Eisberge, die jemals erfasst worden sind.

Anfang Februar 2019 steuert die Polarstern dieses Gebiet vom chilenischen Punta Arenas aus an. Über 50 Wissenschaftler von 17 Institutionen aus fünf Ländern wollen genau erfassen, welche Meeresboden-Landschaften und Lebewesen sich unter dem abgebrochenen Eis befinden. Geleitet wird die Expedition von Dr. Boris Dorschel vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI). Neben seinen eigenen Arbeiten zur Vermessung des Meeresbodens koordiniert er auch die geowissenschaftlichen und biologischen Gruppen an Bord sowie die Forschung der Meereisphysiker. Besonders gespannt sind die Wissenschaftler, ob die Meereisbedingungen es zulassen, bis zum Larsen C Schelfeis vorzudringen. Im Südsommer (Februar/März) 2018 hatte das britische Forschungsschiff „James Clark Ross“ vergeblich versucht, so weit nach Süden kommen. Biologen, die damals an Bord waren, sind auch jetzt wieder auf der „Polarstern“ mit dabei.

Durch den Abbruch von „A68“ hat sich die Schelfeiskante landwärts verlagert. Dieser Rückzug der Schelfeiskante hat einen erheblichen Einfluss auf die Umweltfaktoren und Ökosysteme in dem ehemals vom Schelfeis bedeckten Gebiet. Durch das Eis war dieses Gebiet bis zu 120.000 Jahre von der Atmosphäre und dem Einfluss von Sonnenlicht entkoppelt. In Folge der Veränderungen kommt es nun zu Austauschprozessen zwischen Ozean und Atmosphäre und Kleinstalgen können in der oberen Wassersäule wachsen. Diese Veränderungen finden in einem sehr kurzen Zeitraum statt, was die Ökosysteme zwingt, sehr schnell zu reagieren und sich anzupassen. Um die Veränderungen, Anpassungsmechanismen und Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme zu verstehen, ist es nötig, möglichst schnell den aktuellen Zustand der Umwelt zu erfassen. Auf Grund der Abgeschiedenheit – über 1.500 Kilometer Entfernung zum nächsten Hafen – gibt es derzeit nur begrenzt wissenschaftliche Daten aus dem Gebiet von Larsen A und B. Larsen C ist fast vollständig unerforscht. Die aktuelle Expedition ist daher interdisziplinär angelegt, mit dem Ziel, den Zustand und die natürliche Vielfalt dieser weitgehend unbekannten Region zu erfassen.

Mitte Dezember 2018 wird das Schiff Kapstadt erreichen. Von dort geht es ins Weddellmeer und auch die „Neumayer-Station III“ wird mit Forschungsgerät, Treibstoff und Lebensmitteln versorgt. Nach dem antarktischen Herzstück der Expedition zum Larsen C Schelfeis folgt im April/Mai 2019 eine Expedition mit geowissenschaftlichem Schwerpunkt rund um die Südshetlandinseln. Das Schiff wird am 29. Juni 2019 in Bremerhaven zurückerwartet.

Infos: www.awi.de.

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