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Rubrik: Wissenschaft

Korallenbleichen setzen Rifffische auf Diät

Samstag, 27. Oktober 2018, 08:33

Forscher der Lancaster University und kooperierender Institute, darunter das ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies (Coral CoE) an der James Cook University, zeigen, wie das Verhalten des Falterfisches, der als empfindlicher Indikator für die Riffgesundheit gilt, ein Frühwarnsignal dafür sein kann, dass Rifffischpopulationen in Schwierigkeiten sind

Falterfisch

Ein Falterfisch nagt an einer Koralle, die die Bleiche überlebt hat, Foto: © Greg Torda

Das Forscherteam verbrachte mehr als 600 Stunden unter Wasser und beobachtete zwei Jahre lang Falterfische. In den Zeitraum ihrer Beobachtungen viel die beispiellose Korallenbleiche von 2016.

Unter der Leitung von Dr. Sally Keith von der Lancaster University untersuchte das Team 17 Riffe im zentralen Indo-Pazifik in Japan, den Philippinen, Indonesien und der Weihnachtsinsel (Indischer Ozean). Bei ihrer ersten Erhebung von Daten ahnten die Forscher nicht, dass das katastrophale Bleichereignis bevorstand. Sie begriffen veränderten Umweltbedingungen infolge der Korallenbleiche als Chance für neue Beobachtungen: Wie würden sich das Verhalten der Rifffische verändern?

Das Team wiederholte die Feldbeobachtungen und protokollierte insgesamt 5.259 Begegnungen zwischen Individuen von 38 verschiedenen Falterfischarten. Innerhalb eines Jahres nach dem Bleichereignis war klar, dass sich zwar weiterhin die gleiche Anzahl von Falterfischen an den Riffen aufhielt, sich aber anders verhielt.

„Wir beobachteten, dass das aggressive Verhalten bei Falterfischen um durchschnittlich zwei Drittel zurückgegangen war, wobei der größte Rückgang an Riffen beobachtet wurde, an denen die Bleiche die meisten Korallen getötet hatte", erklärt Dr. Keith. „Wir denken, dass dies daran liegt, dass die nahrhaftesten Korallen auch am anfälligsten für Bleichen waren, so dass die Fische auf Diät gesetzt waren: Die vorher ausgewogene Ernährung mussten sie umstellen auf eine einseitige – so als würden Menschen sich nur von Salatblättern ernähren. Diese Ernährung reichte nur aus, zu überleben, anstatt zu gedeihen."

„Unsere Arbeit zeigt, dass sich Tiere durch flexibles Verhalten kurzfristig auf katastrophale Ereignisse einstellen können, aber diese Veränderungen sind möglicherweise längerfristig nicht nachhaltig", so Co-Autor Prof. Andrew Baird von Coral CoE hinzu.

Die beobachteten Verhaltensänderungen können durchaus der Grund für offensichtlichere Veränderungen sein, wie z.B. eine sinkende Anzahl von Fischarten und -individuen. Das Ergebnis hat das Potenzial, den Mechanismus des Populationsrückgangs in ähnlich gestörten Ökosystemen auf der ganzen Welt zu erklären.

Infos: http://www.lancaster.ac.uk und https://www.coralcoe.org.au.

Link zur Studie: https://www.nature.com/articles/s41558-018-0314-7.

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