TauchJournal - abtauchen im netz
RSS-Feed TauchJournal aud Facebook
» News » Umwelt » Meeresschutzgebiete: Grundschleppnetzfischerei gefährdet viele Arten

Rubrik: Umwelt

Meeresschutzgebiete: Grundschleppnetzfischerei gefährdet viele Arten

Donnerstag, 10. Januar 2019, 09:40

In Meeresschutzgebieten (MPAs für Marine Protected Areas) sollte die marine Umwelt besonders geschützt sein. Wie eine neue Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Science erschienen ist, zeigt, findet in etwa 60% dieser MPAs Schleppnetzfang statt, mit zum Teil erheblichen negativen Auswirkungen auf dort lebende Arten

Grundschleppnetzfischer

Grundschleppnetzfischer, Foto: © Wladyslaw [FAL, GFDL or CC-BY-SA-3.0]

Fast 30% der europäischen Meeresgewässer sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Das klingt sehr beruhigend, bedeutet aber nicht, dass in diesen Gebieten keinerlei Nutzung, zum Beispiel durch Fischerei, stattfindet. So ist in vielen der sogenannten MPAs Schleppnetzfischerei erlaubt, mit erheblichen negativen Auswirkungen, wie eine neue Studie deutscher und kanadischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigt, die kürzlich in der Fachzeitschrift Science erschienen ist.

Die Forschenden untersuchten mehr als 700 MPAs in Gewässern der Europäischen Union rund um die Britischen Inseln, in der Nordsee, vor Frankreich und Spanien (ohne Mittelmeer). Die Analyse von Satellitendaten ergab, dass die Schleppnetzintensität in MPAs im Durchschnitt 40% höher war als außerhalb der Schutzgebiete. “Wir zeigen, dass die Anzahl von verschiedenen Hai- und Rochenarten in Gebieten mit hoher Schleppnetzfischerei um bis 69% niedriger ist“, erklärt Manuel Dureuil, Hauptautor der Studie von der Dalhousie University. „Oft handelt es sich hier um Grundschleppnetzfischerei, die auch für andere Organismen negative Auswirkungen haben kann”.

Fänge in Schutzgebieten

Kommerzieller Fischfang (links) sowie Fänge von Knorpelfischen (rechts) ausserhalb und innerhalb von Schutzgebieten, Grafik: © M. Dureuil, Dalhousie University

„Unsere Studie zeigt, dass Meeresschutzgebiete mit Grundschleppnetzfischerei keine sicheren Häfen sind, sondern gefährdete Arten dort zum Teil stärker bedroht sind, als außerhalb dieser Gebiete“, sagt Dr. Rainer Froese, Co-Autor der Studie vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. „Damit Schutzgebiete ihren Namen verdienen, muss die Grundschleppnetzfischerei beendet werden“, so Froese weiter. Seiner Ansicht nach bestehe auch keine Notwendigkeit einer Befischung der MPAs. Wenn Fischbestände nachhaltig bewirtschaftet würden, dann wachsen die Bestandsgrößen, und die erlaubten Fänge können leicht außerhalb von MPAs gefischt werden, so der Kieler Fischereibiologe.

Die Wissenschaftler fordern deshalb, dass die Mindeststandards von MPAs dringend verbessert werden müssen. Die Politik muss sich auf international vergleichbare Standards unter Ausschluss der Grundschleppnetzfischerei verständigen und das Management von MPAs muss gestärkt und transparenter gestaltet werden. Nur so könne es gelingen, dass MPAs langfristig zu einem nachhaltigen Schutz der Meeresumwelt und bedrohter Arten beitragen können.

Infos: www.geaomar.de.

Link zur Studie: http://science.sciencemag.org/content/362/6421/1403.

Schlagwörter: , ,

Kurzlink:


TauchJournal-News per Mail abonnieren

RSS-Feed abonnieren RSS-Feed

Diesen Artikel weiterempfehlen:

ANZEIGE Mares

Das lange Gedächtnis des Pazifischen Ozeans

Mittwoch, 16. Januar 2019, 11:24

Das Meer hat ein langes Gedächtnis. Als das Wasser im heutigen tiefen Pazifik zuletzt Sonnenlicht erblickte, war Karl der Große Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, die Song-Dynastie regierte China und die Oxford University war gerade gegründet. Während dieser Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert war das Erdklima im Allgemeinen wärmer, bevor sich die Kälte der Kleinen Eiszeit um das 16. Jahrhundert herum einstellte Forscher der Woods Hole Oceanographic Institution...

... mehr »

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.