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Rubrik: Umwelt

Mehr als 200.000 Tonnen Plastik gelangen jedes Jahr ins Mittelmeer

Donnerstag, 29. Oktober 2020, 09:39

Ein neuer Bericht der Weltnaturschutzorganisation IUCN stellt fest, dass jedes Jahr schätzungsweise 229.000 Tonnen Plastik ins Mittelmeer gelangen. Das entspricht einer Menge von mehr als 500 Schiffscontainern pro Tag

Plastikmüll

Das Mittelmeer: Mare Plasticum, Foto: © Joel sauce do saucedo/pixabay

Basierend auf einer Zusammenstellung von Daten aus Feldstudien und unter Verwendung der IUCN-Methodik für den marinen Kunststoff-Fußabdruck schätzt der Bericht mit dem Namen „The Mediterranean : Mare Plasticum" die Kunststoffeinträge aus 33 Ländern des Mittelmeerraums.

Er kommt zu dem Ergebnis, dass Makrokunststoffe, die aus unsachgemäß entsorgtem Abfall stammen, 94% der gesamten Kunststoffleckagen ausmachen. Einmal ins Meer gespült, lagert sich Plastik meist in Form von Mikrokunststoffen (Partikel kleiner als 5 mm) in den Sedimenten ab. Der Bericht schätzt, dass sich mehr als eine Million Tonnen Plastik im Mittelmeer angesammelt haben.

IUCN-Bericht

Der neue IUCN-Bericht „The Mediterranean : Mare Plasticum"

„Die Verschmutzung durch Plastik kann langfristige Schäden an Land- und Meeresökosystemen und an der biologischen Vielfalt verursachen. Meerestiere können sich verfangen oder Plastikabfälle verschlucken und letztendlich an Erschöpfung und Hunger sterben. Darüber hinaus werden durch Kunststoffabfälle chemische Substanzen wie Weichmacher oder Flammschutzmittel freigesetzt, die sowohl für die Ökosysteme als auch für die menschliche Gesundheit schädlich sein können, insbesondere in einem halbgeschlossenen Meer wie dem Mittelmeer. Wie der Bericht deutlich macht, reichen die derzeitigen und geplanten Maßnahmen nicht aus, um den Eintrag von Plastik zu reduzieren und diese Auswirkungen zu verhindern", erklärt Minna Epps, Direktorin des Globalen Meeres- und Polarprogramms der IUCN.

Dem Bericht zufolge sind Ägypten (ca. 74.000 Tonnen/Jahr), Italien (34.000 Tonnen/Jahr) und die Türkei (24.000 Tonnen/Jahr) die Länder mit den höchsten Leckage-Raten von Kunststoffen ins Mittelmeer, was hauptsächlich auf hohe Mengen schlecht gehandhabter Abfälle und eine große Küstenbevölkerung zurückzuführen ist. Pro Kopf weisen jedoch Montenegro (8 kg/Jahr/Person), Albanien, Bosnien und Herzegowina und Nordmazedonien (jeweils mit einem geschätzten Anteil von 3 kg/Jahr/Person) die höchsten Leckraten auf.

Bei primären Mikrokunststoffen – Kunststoffe, die in Form von kleinen Partikeln in die Ozeane gelangen, im Gegensatz zu größeren Kunststoffabfällen, die sich im Wasser zersetzen – wird der Kunststofffluss in das Mittelmeer auf 13.000 Tonnen/Jahr geschätzt. Reifenstaub ist die größte Quelle für Leckagen (53%), gefolgt von Textilien (33%), Mikroperlen in Kosmetika (12%) und Produktionspellets (2%).

Ausgehend von einer prognostizierten jährlichen Zunahme der weltweiten Kunststoffproduktion um 4% werden in dem Bericht verschiedene Leckageszenarien dargelegt und Schlüsselmaßnahmen bewertet, die dazu beitragen könnten, die Kunststoffströme in den Mittelmeerraum in den nächsten 20 Jahren einzudämmen. Er kommt zu dem Schluss, dass bei einem Business-as-usual-Szenario die jährliche Leckage bis 2040 500.000 Tonnen pro Jahr erreichen wird, und unterstreicht, dass ehrgeizige Maßnahmen, die über die derzeitigen Verpflichtungen hinausgehen, erforderlich sein werden, um den Kunststofffluss ins Meer zu reduzieren.

„Regierungen, Privatsektor, Forschungseinrichtungen und andere Industriezweige und Verbraucher müssen zusammenarbeiten, um Prozesse und Lieferketten neu zu gestalten, in Innovation zu investieren und nachhaltige Verbrauchsmuster und verbesserte Abfallmanagementpraktiken einzuführen, um den Kunststoffhahn zu schließen", erläutert Antonio Troya, Direktor des IUCN-Zentrums für Zusammenarbeit im Mittelmeerraum.

Die Verbesserung des Abfallmanagements, beginnend mit der Abfallsammlung, hat dem Bericht zufolge das größte Potenzial, den Eintrag von Kunststoffen im Laufe der Zeit zu reduzieren. Dem Bericht zufolge könnten jährlich mehr als 50.000 Tonnen Kunststoffleckagen in das Mittelmeer vermieden werden, wenn allein in den 100 Städten mit den meisten Beiträgen das Abfallmanagement auf weltweite Best-Practice-Standards verbessert würde. Darüber hinaus hebt der Bericht hervor, dass Verbote wirksame Interventionen sein können, wenn sie auf breiter Basis umgesetzt werden – so schätzt er beispielsweise, dass ein weltweites Verbot von Plastiktüten im Becken das Austreten von Plastik um etwa 50.000 Tonnen pro Jahr weiter reduzieren würde.

Infos: https://www.iucn.org.

Link zum Bericht „The Mediterranean : Mare Plasticum": https://portals.iucn.org/library/node/49124.

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