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Rubrik: Umwelt

Mikroplastik im Körper: Neu entdeckter Flohkrebs wird „Plasticus“ getauft

Freitag, 6. März 2020, 08:47

Er ist nur fünf Zentimeter groß, sein Zuhause liegt in rund 6.500 Metern Tiefe im Pazifischen Ozean und er hat trotzdem Plastik im Körper: Eurythenes plasticus. Die neu entdeckte Tiefsee-Spezies ist eine Flohkrebs-Art, die Forscher der Newcastle Universität im Marianengraben in der Nähe der Philippinen, an einem der tiefsten Punkte der Erde, gefunden haben

Eurythenes plasticus

Eurythenes plasticus, Foto: © WWF Deutschland

„Eurythenes plasticus“ tauft der Leiter der Forschungsmission, Dr. Alan Jamieson, die neue Art. “Mit dem Namen wollen wir ein starkes Zeichen gegen die Meeresverschmutzung setzen und deutlich machen, dass wir dringend etwas gegen die massive Plastikflut tun müssen“, kommentiert Jamieson. Die Ergebnisse der Forschungen haben die Wissenschaftler rund um Jamieson mit Unterstützung des WWF Deutschland jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Zootaxa veröffentlicht.

„Die neu entdeckte Spezies Eurythenes plasticus zeigt, wie weitreichend die Folgen unseres laxen Umgangs mit Plastik sind. Es gibt Arten, die an den tiefsten und abgelegensten Stellen unseres Planeten leben und trotzdem massiv mit Plastik kontaminiert sind. Plastik ist in der Luft, die wir atmen, dem Wasser, das wir trinken und in den Tieren, die fernab der menschlichen Zivilisation leben“, kommentiert Heike Vesper, Leiterin des WWF-Zentrums für Meeresschutz. In dem Flohkrebs wurde Polyethylenterephthalat (PET) gefunden, ein Stoff der in vielen Alltagsgegenständen wie Einwegtrinkflaschen und Sportkleidung enthalten ist. „Die Plastikkrise geht uns alle etwas an, denn wir alle nutzen PET im Alltag“, so Vesper.

Eurythenes plasticus

Eurythenes plasticus mit Mikroplastik im Körper, Foto: © WWF Deutschland

Der Weg des Plastiks von menschlicher Nutzung in Tiere wie E. plasticus ist lang. Deutschland ist nach den USA und Japan weltweit der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll. Der Plastikmüll endet oft in südostasiatischen Ländern mit schlechtem oder keinem Abfallmanagement. Dort kann er häufig nicht recycelt werden, sondern wird verbrannt oder landet auf Deponien – und gelangt auch von dort aus ins Meer. Im Wasser wird der Plastikmüll zu Mikroplastik zerkleinert, verteilt sich und wird von Tieren wie E. Plasticus aufgenommen.

„Um die globale Plastikflut zu stoppen, braucht es eine globale Lösung. Der WWF setzt sich daher für ein internationales Abkommen ein, das weltweit die Müllreduktion und ein verbessertes Abfallmanagement gesetzlich vorschreibt”, so Vesper. “Nicht alle gefundenen Exemplare der neuen Spezies E. plasticus hatten bereits Plastik im Körper. Es besteht also noch Hoffnung, dass andere Exemplare der Art ihrem Namen nicht gerecht werden und sie plastikfrei bleiben.“ Dazu müsse die Politik allerdings Anstrengungen zur Plastikvermeidung unternehmen ergänzt sie.

Eurythenes plasticus

Eurythenes plasticus – benannt nach Mikroplastik im Körper des Flohkrebses, Foto: © WWF Deutschland

Hintergrund
Der im Flohkrebs gefundene Kunststoff PET wird unter anderem zur Herstellung von Einwegtrinkflaschen, Folien und Textilfasern verwendet. PET und andere Kunststoffe können sich im Meer mit Schadstoffen aus der Industrie und der Chemie verbinden, die sich in der Umwelt nur sehr langsam abbauen. Mikroplastikpartikel gelangen problemlos in die Körper von Meerestieren. Welche konkreten Auswirkungen das hat, ist noch nicht ausreichend erforscht. Doch eines ist sicher: Plastik enthält oft auch Zusatzstoffe wie Weichmacher und Flammschutzmittel, die den Meeresbewohnern schaden und durch die Nahrungskette auch den Menschen erreichen können.

Infos: www.wwf.de.

Link zur Studie: https://www.biotaxa.org/Zootaxa/article/view/zootaxa.4748.1.9.

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