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Rubrik: Umwelt

Müll im Meer: Wir brauchen fundamentale Veränderungen

Montag, 5. November 2018, 11:11

Die EU will Einwegprodukte wie Strohhalme oder Wattestäbchen verbieten. So soll der Plastikmüll in den Meeren reduziert werden – immerhin ein Anfang. Aber reicht das?

Plastikmüll

Angespülter Plastikmüll am Sylter Strand, Foto: © Olaf Klodt

Zum Verbot von Einweggeschirr bringen wir eine Einschätzung der Experten Dr. Melanie Bergmann und Dr. Lars Gutow vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI):

„Die Ozeane stellen das größte zusammenhängende Ökosystem der Erde dar und umfassen die exotischsten Lebensräume. Aber selbst auf dem Meeresboden der arktischen Tiefsee, im Meereis oder an den Stränden abgelegener Inseln finden wir mittlerweile große Mengen von Müll. Daher ist es gut und wichtig, dass die EU Maßnahmen zur Verringerung des Müllaufkommens in den Ozeanen ergreift. Beim Plastik anzusetzen ist folgerichtig, da Kunststoffe rund drei Viertel des gesamten Mülls in den Meeren ausmachen. Ein Fokus auf Einwegprodukte wie Strohhalme, Wattestäbchen und Einweggeschirr erscheint zunächst sinnvoll, da sie in vielen Meeresgebieten einen auffälligen Anteil an dem gesamten Müllvorkommen haben. Vor allem aber ist eine Verschmutzung der Meere mit solchen Einwegprodukten, die leicht zu ersetzen wären, völlig unnötig. Daher ist es richtig, die massenhafte Herstellung von Produkten, die nach einmaliger Nutzung nicht mehr zu gebrauchen sind, rigoros zu reglementieren.

Ein Abschied von Einweggeschirr und Plastikstrohhalmen ist vergleichsweise einfach. Für einen wirklich effizienten Beitrag gegen die Verschmutzung der Meere müssen wir uns jedoch die Frage stellen, ob wir damit weit genug gehen. Wir wissen mittlerweile, dass neben den Einwegprodukten vor allem die exzessive Herstellung und Verwendung von Verpackungen maßgeblich zu der Verschmutzung der Meere beiträgt. Auch wissen wir, dass zahlreiche weniger offensichtliche Quellen zu der Verschmutzung der Meere mit Kunststoffen beitragen. Hier sind neben vielen anderen Beispielen der Reifenabrieb von Kraftfahrzeugen und die Freisetzung von Mikrofasern aus synthetischer Kleidung beim Waschen zu nennen. Auch stehen wir vor dem Dilemma, dass wir eine ständig wachsende Erdbevölkerung ernähren müssen, gleichzeitig aber die industrielle Fischerei nicht nur die weltweiten Fischbestände dezimiert, sondern durch den Verlust von Fanggeschirr und Ausrüstung auch massiv zur Verschmutzung der Meere beiträgt. Und schließlich müssen wir berücksichtigen, dass sich zwar rund 75 bis 80 Prozent des Mülls in den Meeren aus Kunststoffen zusammensetzt, der gesamte Rest – bestehend aus Glas, Metall und anderen nicht abbaubaren Stoffen – mittlerweile aber auch einen Umfang von geschätzt 50 Millionen Tonnen erreicht hat.

Der Verbraucher kann mit seinem Verhalten einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Vermüllung der Ozeane beitragen. Vor allem sind hier jedoch Wirtschaft und Industrie gefragt, mit innovativen Ansätzen eine Produktion zu ermöglichen, die nicht nur auf kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern auf eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen ausgelegt ist. Hierzu gehört auch die Optimierung von Recyclingtechnologien, um Rohstoffe so lange wie möglich im Kreislauf zu halten. Mit der Vermüllung der Meere werden wir Menschen mit einem Umweltproblem konfrontiert, das ebenso wie der Klimawandel mit einfachen Mitteln nicht mehr zu bekämpfen sein wird. Um diese globalen Probleme zu lösen, müssen Politik, Industrie, Bevölkerung aber auch die Wissenschaft neue Wege gehen, die es erfordern werden, dass wir vertraute Strukturen und Handlungsweisen rigoros hinterfragen und aufbrechen. Wenn wir die Menge des Abfalls im Meer in nennenswertem Maße reduzieren wollen, brauchen wir fundamentale Veränderungen. Da kann ein Verzicht auf Plastikstrohhalme nur der Anfang sein.“

Infos: www.awi.de.

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Ein Kommentar

    Irene Reindl sagt:

    Dann googelt mal, welche Flüsse hauptsächlich Müll in die Meere transportieren. Europa ist nicht dabei. Und zumindest in Deutschland landet der Müll hauptsächlich in Recyclings- und/oder Verbrennungsanlagen. Abgesehen davon ist die Ökobilanz vieler Ersatzprodukte (sogar von Papiertüten) verheerender als die aktuellen Produkte. Aber ja, zumindest beim Verpackungsmüll sollte etwas passieren, denn das wird immer schlimmer. Inzwischen gibt es gepellte Orangen und Eier in Plastikverpackung und neulich hab ich sogar ein Bild von einem aufgeschlagenen, rohen Ei, das in Plastik verpackt wurde. Und gerade die Bioprodukte sind eingeschweißt.

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