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Rubrik: Wissenschaft

Ozeanzirkulation im Winter durch warme Sommer beeinflusst

Sonntag, 25. März 2018, 12:58

Im Nordatlantik sinken im Winter kalte Wassermassen von der Meeresoberfläche in die Tiefe. Diese sogenannte Konvektion gehört zu den Schlüsselprozessen im System der globalen Ozeanströmungen. Mit Hilfe von Langzeitbeobachtungen konnte ein Team des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel jetzt einen Einfluss von Frischwasser, das sich im Sommer an der Meeresoberfläche sammelt, auf die Tiefenwasserbildung im Winter nachweisen

Irmingersee

Die Irmingersee, hier vom Forschungsschiff „MARIA S. MERIAN“ aus aufgenommen, gehört zu den wenigen Regionen weltweit, in dem aufgrund von tiefer Konvektion neues Tiefenwasser gebildet wird, Foto: © Arne Bendinger/GEOMAR

Temperatur und Salzgehalt des Meerwassers sind entscheidende Faktoren, die das System der globalen Ozeanströmungen antreiben. Warmes und salzhaltiges Wasser, das in hohe Breiten gelangt, kühlt dort an der Oberfläche ab, wird schwerer und sinkt in die Tiefe. Diesen Prozess nennt man Konvektion. In der Tiefe strömt das Wasser zurück Richtung Äquator und zieht neue Wassermassen nach. Tiefreichende Konvektion findet nur in wenigen Regionen statt, unter anderem in der Irminger See östlich von Grönland und in der Labrador See westlich davon. Doch was passiert, wenn zusätzliches Frischwasser, zum Beispiel von abschmelzenden Gletschern, in dieses System gerät? Modellrechnungen zeigen, dass durch die dann geringere Dichte des Oberflächenwassers eine Schwächung des Strömungssystems eintreten könnte, aktuelle Beobachtungsdaten bestätigten dies bisher jedoch nicht.

Forschungsschiff „MARIA S. MERIAN“

Verankerungen, wie sie hier vom Forschungsschiff „MARIA S. MERIAN“ in die Labrador- und Irmingersee ausgebracht werden, dienen der Langzeitbeobachtung der Ozeanströmungen, Foto: © Arne Bendinger/GEOMAR

Ozeanographen des GEOMAR haben jetzt mit Hilfe von Langzeitbeobachtungen erstmals einen konkreten Einfluss von Frischwasser auf die Konvektion nachgewiesen. Sie veröffentlichen ihre Ergebnisse in der internationalen Fachzeitschrift Nature Climate Change.

Die neue Studie beruht auf der Auswertung von Daten, die von verankerten Beobachtungsplattformen in der Labrador See und der Irminger See und von frei treibenden Bojen, sogenannten Tiefendriftern, stammen. Zusätzlich wurden Satellitenbeobachtungen der Ozean-Oberfläche und Atmosphärendaten mit einbezogen. „Für verschiedene Zeiträume in den letzten 60 Jahren konnten wir wichtige Schlüsselprozesse miteinander verbinden: atmosphärische Schwankungen, wie die Nordatlantische Oszillation, Wasser- und Lufttemperaturen, das Auftreten von Frischwasserschichten und die Dauer der Konvektion“, erklärt Dr. Marilena Oltmanns vom GEOMAR, Erstautorin der Studie.

Die Auswertung ergab einen deutlichen Zusammenhang zwischen atmosphärischen Bedingungen, Sommertemperaturen über der Irminger See, der Menge des Frischwassers dort und der Konvektion im folgenden Winter. „Wenn in ohnehin wärmeren Perioden besonders warme Sommer mit viel Frischwasser auftraten, gab der Ozean im folgenden Winter weniger Wärme ab. Das bedeutete, dass die im Sommer entstandene Frischwasserschicht länger stabil blieb und daher die Konvektion später einsetzte“, so Dr. Oltmanns.

Typischerweise wird durch die Konvektion das Frischwasser in die Tiefe abtransportiert. Da die Konvektion in einigen Jahren erst sehr spät einsetzte, verblieb ein hoher Anteil an Frischwasser nahe der Oberfläche und wurde im folgenden Sommer durch neu eintreffendes Frischwasser ergänzt. „Dieser Effekt könnte sich langfristig aufaddieren und so eine erhebliche Schwächung der Konvektion bedeuten – besonders bei global steigenden Durchschnitttemperaturen“, fasst die Ozeanographin zusammen.

Infos: www.geomar.de.

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