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Rubrik: Tauchmedizin

Risiken beim Tauchen: Intensivmediziner klärt über gesundheitliche Folgen auf

Donnerstag, 27. Juni 2013, 08:01

Am 21. Juni 2013 wurde Dr. Jürgen Thomas Lutz zum Professor für den Studiengang Physiotherapie an der Hochschule Fresenius in Köln ernannt. In seiner Antrittsvorlesung referierte er über mögliche gesundheitliche Folgen des Tauchens

Dr. Jürgen Thomas Lutz

Dr. Jürgen Thomas Lutz bei seiner Antrittsvorlesung, Foto: © Hochschule Fresenius

Der Mediziner und Sportwissenschaftler ist Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am St. Vinzenz-Hospital Köln, wo er seit 2010 die Funktion des stellvertretenden ärztlichen Direktors innehat. An der Hochschule Fresenius lehrt er Physiologie im Bachelor-Studiengang Physiotherapie, den die Hochschule Fresenius an ihren Medical Schools in Köln, Hamburg, Frankfurt, Idstein, München und Düsseldorf anbietet.

Passend zum Sommerbeginn wählte Dr. Lutz das Thema für seine Antrittsvorlesung: „Physiologie und Pathopyhsiologie des Tauchens“. Dabei ging er hauptsächlich auf extreme Formen des Tief- und Apnoetauchens ein. Aber auch Hobbytaucher stehen vor zwei Grundproblemen des Wassersports: Atmung und Druck. Angefangen beim Schnorcheln, bei dem in der Regel nur das Gesicht unter Wasser ist – und das aus gutem Grund. Denn bereits ab einem Meter Tiefe wird der Druck so groß, dass ein Mensch nicht mehr genug Kraft für die Atmung aufbringen kann, erklärte Dr. Lutz. Und der Druck steigt, je tiefer der Tauchgang: um ein Bar je zehn Meter. Somit wird bei einer Wassertiefe von 30 Metern die Lunge auf ein Viertel ihres Volumens zusammengedrückt. Andere Körperhöhlen wie Innenohr, Nasennebenhöhlen, Augen und selbst Zahnfüllungen sind ebenfalls von den Druckänderungen betroffen. Mit speziellen Belüftungstechniken sorgt eingeübter Taucher für entsprechenden Ausgleich – tut er dies nicht, kann sich die Bindehaut des Auges eintrüben oder das Trommelfell platzen.

Tiefenrausch, Gasvergiftung, Dekompressionskrankheit
Auch Gase werden bei zunehmender Tauchtiefe komprimiert, wodurch die sogenannten Gaspartialdrücke steigen. Folge: Stickstoff reichert sich im Gewebe an und kann eine giftige Wirkung entfalten; manche Taucher erleben einen Tiefenrausch – auch Stickstoffnarkose genannt – und verlieren die Orientierung. Diese Gefahren bestehen ab einer Tauchtiefe von rund 30 bis 40 Metern. Tückisch kann auch das Auftauchen werden – insbesondere, wenn dies zu schnell geschieht, ohne die Dekompressionszeiten einzuhalten, die für einen kontinuierlichen Druckausgleich notwendig sind. In seiner Antrittsvorlesung an der Hochschule Fresenius zeigte Dr. Lutz verschiedene Risikofaktoren auf: Ein Pneumo-Thorax entsteht, wenn durch einen Geweberiss Luft zwischen Lunge und Rippenfell eindringt, wodurch die Lunge förmlich eingeschnürt wird. Auch das zentrale Nervensystem kann in Mitleidenschaft gezogen werden: Bei einer arteriellen Gasembolie treten Gasbläschen in die Blutgefäße ein und wandern ins Gehirn, wo sie erhebliche Schäden verursachen können. Als prominentes Beispiel nannte Dr. Lutz den Österreicher Herbert Nitsch, Weltrekordhalter im Apnoetauchen der Kategorie „No Limit“ (Tieftauchen ohne Atemgerät). Beim Aufstieg seines Weltrekordversuchs (244 Meter) vor einem Jahr verlor Nitsch in etwa 100 Metern Tiefe das Bewusstsein und musste zu schnell an die Oberfläche geholt werden. „Tauchunfälle wie diese werden in speziellen Dekompressionskammern behandelt, in denen die Sportler auf die Druckverhältnisse des Tauchgangs zurückgebracht werden, um die verpassten Druckausgleichsmaßnahmen nachzuholen“, so Dr. Lutz.

Physiotherapeuten unterstützen Rehabilitation
Bei Tauchunfällen kann es zu Hautirritationen, Muskel- und Gelenkschmerzen, aber auch zu Herzproblemen und neurologischen Ausfällen wie Lähmungserscheinungen kommen. Die Symptome schwerer Dekompensationskrankheiten ähneln oft denen eines Schlaganfalls oder anderen Schädigungen des zentralen Nervensystems. In der Rehabilitation der Betroffenen spielen Physiotherapeuten eine wichtige Rolle. Neben Anatomie ist daher Physiologie ein fester und großer Bestandteil des Studienlehrplans. „Ich freue mich, meine langjährigen Erfahrungen als Anästhesist, Notarzt und Intensivmediziner in das Physiotherapiestudium an der Hochschule Fresenius einbringen zu können. Die Arbeit mit den motivierten Studenten macht mir viel Freude“, sagt Dr. Lutz, der seit 2011 an der Hochschule Fresenius in Köln lehrt. Infos: www.hs-fresenius.de.

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Ein Kommentar

    Michael Grün sagt:

    Deswegen ist eine fundierte Ausbildung unumgänglich. HIer werden sowohl die Gefahren aber auch die Maßnahmen zur Vermeidung selbiger in Theorie und Praxis vermittelt und trainiert. Damit dieses Wissen sich im Lauf der Zeit nicht verflüchtigt besteht im Rahmen der Vereine im VDST die Möglichkeit regelmäßig an Fort- und Weiterbildung teilzunehmen. Für Trainer und Tauchlehrer ist die Teilnahme obligat. Zudem bauen die einzelnen Ausbildungsstufen (Normierte nach DIN EN 14153-1/3 für Freizeitgeräte-Taucher und 14413 -1/2 für Tauchausbilder) aufeinander auf. Das eine fundierte Tauchausbildung nach den Vorgaben der CMAS (Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques) wie sie beim VDST (Verband Deutscher Sporttaucher) und seinen angeschlossenen Vereinen nicht in 2-3 Tagen erfolgen kann versteht sich von selbst. Eine qualifizierte Ausbildung vermittelt Sicherheit, steigert den Freizeitwert und macht zudem auch spaß.

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