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Rubrik: Umwelt

Unsere Meere werden immer wärmer

Mittwoch, 15. Januar 2020, 13:04

Eine neue Analyse zeigt, dass die Weltmeere im Jahr 2019 so warm waren wie zu keinem anderen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit, insbesondere zwischen der Oberfläche und einer Tiefe von 2.000 Metern. Die Studie wurde von einem internationalen Team von 14 Wissenschaftlern aus elf Instituten weltweit durchgeführt

Nordsee

Die Nordsee vor Sylt, Foto. © O. Klodt

Die Autoren veröffentlichten ihre Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift Advances in Atmospheric Sciences verbunden mit dem dringenden Aufruf an die Menschheit, den Klimawandel umzukehren. Laut der Studie liegt die Meerestemperatur 2019 um 0,075 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Um diese Temperatur zu erreichen, hätte der Ozean 228.000.000.000.000.000.000.000.000 (228 Sextillion) Joule Wärme aufgenommen.

„Das sind in der Tat eine Menge Nullen. Zum besseren Verständnis habe ich eine Berechnung angestellt. Die Atombombe von Hiroshima explodierte mit einer Energie von etwa 63.000.000.000.000.000 Joule. Die Wärmemenge, die wir in den vergangenen 25 Jahren in die Weltmeere eingebracht haben, entspricht 3,6 Milliarden Hiroshima-Atombombenexplosionen", sagt Cheng Lijing, leitender Autor der Studie vom Internationalen Zentrum für Klima- und Umweltwissenschaften am Institut für Atmosphärenphysik (IAP) der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS). „Die gemessene Erwärmung der Ozeane ist unwiderlegbar und ein weiterer Beweis für die globale Erwärmung", so Cheng weiter

Nordsee

Die Nordsee vor Sylt, Foto. © O. Klodt

Die Forscher nutzten eine relativ neue Analysemethode, um potenziell spärliche Daten und zeitliche Diskrepanzen zu berücksichtigen, die bisher zur Messung der Ozeanwärme speziell von der Meeresoberfläche bis in 2.000 Meter Tiefe eingesetzt wurden. Die so verfügbaren Daten erlaubten es den Forschern, Wärmeentwicklungen aus den 1950er Jahren zu untersuchen. Diese Studie umfasst auch die von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) in den USA aufgezeichneten Veränderungen der Meerestemperatur. Die beiden unabhängigen Datensätze weisen darauf hin, dass in den letzten fünf Jahre die wärmsten der globalen Meerestemperaturen herrschten, die jemals aufgezeichnet wurden.

Die Forscher verglichen auch den Zeitraum der Datenerfassung von 1987 bis 2019 mit dem Zeitraum von 1955 bis 1986 und stellten so eine starke Zunahme der globalen Klimaveränderung fest.

„Es ist entscheidend zu verstehen, wie schnell sich die Dinge ändern", sagt John Abraham, Koautor und Professor für Maschinenbau an der Universität von St. Thomas in den USA. „Der Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage liegt in den Ozeanen – dort landet der Großteil der Wärme. Wenn Sie die globale Erwärmung verstehen wollen, müssen Sie die Erwärmung der Ozeane messen."

2019 brach die bisherigen Rekorde der globalen Erwärmung, und die Auswirkungen zeigen sich bereits in Form von extremerem Wetter, steigenden Meeresspiegeln und Schäden an Meerestieren.

Nordsee

Die Nordsee vor Sylt, Foto. © O. Klodt

„Die globale Erwärmung ist real, und sie wird schlimmer", erklärt Abraham. „Und das ist nur der Anfang. Glücklicherweise können wir etwas dagegen tun: Wir können Energie klüger nutzen und unsere Energiequellen diversifizieren. Wir haben die Macht, dieses Problem zu reduzieren."

Den Forschern zufolge können die Menschen daran arbeiten, ihren Einfluss auf das Klima umzukehren, aber der Ozean wird länger brauchen, um darauf zu reagieren als die Atmosphäre und das Land. Seit 1970 gingen mehr als 90% der globalen Erwärmungswärme in den Ozean, während weniger als 4% der Wärme die Atmosphäre und das Land erwärmt haben.

„Selbst mit diesem kleinen Anteil, der die Atmosphäre und das Land betrifft, hat die globale Erwärmung zu einer Zunahme der katastrophalen Brände im Amazonas, in Kalifornien und Australien im Jahr 2019 geführt, und wir sehen, dass dies bis ins Jahr 2020 andauert", so Cheng. „Die globale Erwärmung der Ozeane hat in der Tasmanischen See und anderen Regionen zu Hitzewellen im Meer geführt".

Eine solche Hitzewelle im Nordpazifik wurde erstmals 2013 entdeckt und setzte sich bis 2015 fort. „Es ist dokumentiert, dass diese Erwärmung großen Verlust an Meeresleben verursacht hat, von Phytoplankton über Zooplankton und Fische bis hin zu Meerestieren wie Walen", sagt Kevin Trenberth, Koautor und leitender Wissenschaftler am National Center for Atmospheric Research in den Vereinigten Staaten. „Diese Manifestationen der globalen Erwärmung haben große Auswirkungen."

„Der Preis, den wir zahlen, ist die Reduzierung des im Ozean gelösten Sauerstoffs, die geschädigten Meereslebewesen, eine Stärkung von Stürmen und der Rückgang der Fischerei", erläutert Cheng. „Doch je mehr wir die Treibhausgase reduzieren, desto weniger wird sich der Ozean erwärmen. Reduzierung, Wiederverwendung und Recycling sowie der Übergang zu einer sauberen Energiegesellschaft sind immer noch der wichtigste Weg nach vorn".

Infos: http://english.iap.cas.cn.

Link zur Studie: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00376-020-9283-7.

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