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Rubrik: Umwelt

Verlust von Artenvielfalt vor schmelzenden Küstengletschern in der Antarktis

Sonntag, 22. November 2015, 10:56

Schmelzende Gletscher führen zum Verlust von Artenvielfalt bei Bodenlebewesen im Küstenbereich der Antarktischen Halbinsel und beeinflussen so ein ganzes Ökosystem am Meeresgrund. Das zeigen wiederholte Tauchuntersuchungen, die Wissenschaftler aus Argentinien, Deutschland und Großbritannien und des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in einer Studie im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht haben

Taucher der Dallmann Expedition in der Potter Cove

Taucher der Dallmann Expedition in der Potter Cove, Foto: © Alfred-Wegener-Institut/Cristian Lagger (CONICET)

Die Wissenschaftler führen die schwindende Biodiversität im Küstenbereich auf eine verstärkte Trübung des Wassers zurück. Diese entsteht, wenn küstennahe Gletscher im Zuge der globalen Erwärmung schmelzen und dabei große Mengen Trübstoffe ins Meerwasser gelangen.

An der Westantarktischen Halbinsel ist die Temperatur in den letzten fünfzig Jahren nahezu fünfmal so schnell gestiegen wie im globalen Mittel. Wie sich der damit einhergehende Rückzug von Gletschern auf das Leben am Meeresgrund auswirkt, ist bisher nur unzureichend verstanden. Daher kartieren und analysieren Wissenschaftler am Dallmann-Labor die Bodenlebewesen in der Potter Cove – einer Bucht auf King-George Island an der Westantarktischen Halbinsel. Hier betreibt das Alfred-Wegener-Institut zusammen mit dem Argentinischen Antarktisinstitut (IAA) das Dallmann-Labor als Teil der argentinischen Forschungsstation Carlini. Untersuchungen von Bodenfauna und -flora sind seit zwei Jahrzehnten Teil der Langzeit-Messprogramme des Dallmann-Labors.

Seescheiden in der Potter Cove

Seescheiden in der Potter Cove, Foto: © Alfred-Wegener-Institut/Cristian Lagger (CONICET)

In den Jahren 1998, 2004 und 2010 fotografierten Taucher die Artengemeinschaften an drei verschiedenen Stationen in unterschiedlichen Wassertiefen. Eine Station liegt nahe an der Gletscherkante, die zweite in einem weniger vom Gletscher beeinflussten Gebiet und die dritte in der gering beeinflussten äußeren Bucht. Außerdem erfassten sie die Sedimentationsraten an diesen Stationen ebenso wie die Wassertemperatur und andere ozeanographische Parameter, um die biologischen Daten mit diesen Werten zu verknüpfen. Ergebnis: Einige Arten reagieren sehr empfindlich auf hohe Sedimentationsraten. „Besonders hochwüchsige Ascidien, also Seescheiden, leiden unter den veränderten Bedingungen und verschwinden, während flachwüchsige Verwandte mit Trübung und Sedimentbedeckung gut zurechtkommen“, erklärt die AWI-Biologin Dr. Doris Abele. „Der Verlust wichtiger Arten verändert die küstennahen Ökosysteme und die hochproduktiven Nahrungsnetze in diesen Gebieten mit noch unabsehbaren längerfristigen Folgen“, so die Co-Autorin der Studie.

Das Dallmann-Labor an Carlini (der früheren Jubany-Station) startete im Jahr 1994 als bilaterale Einrichtung vom deutschen Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und dem Argentinischen Antarktisinstitut (IAA). Mittlerweile ist es eine ausgewiesene Forschungsplattform für internationale und interdisziplinäre Netzwerk-Programme, die in der letzten Dekade von der Europäischen Union und argentinischen Stellen gefördert wurden. „Nachhaltige Langzeitforschung und koordinierte interdisziplinäre antarktische Forschungsprogramme sind essentiell, um die lokalen Veränderungen der Küstenökosysteme in der Antarktis im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung zu erklären“, so Doris Abele. Infos: www.awi.de.

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