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Rubrik: Umwelt

Waljagd in Europa hat begonnen

Samstag, 7. April 2018, 09:26

Am 1. April 2018 begann die alljährliche Walfangsaison im Nordatlantik und der erste Wal wurde bereits getötet. Die Regierungen Islands und Norwegens ignorieren seit Jahren das internationale Walfangverbot und genehmigen weiterhin die Jagd auf Zwergwale und sogar stark gefährdete Finnwale. Wale stehen international unter strengem Schutz, die kommerzielle Jagd ist verboten. Deshalb fordern OceanCare, Pro Wildlife und Whale and Dolphin Conservation (WDC) eine führende Rolle der EU im Kampf gegen den kommerziellen Walfang

Minkwal

Minkwal, Foto: © Michael J. Tetley

Norwegens Regierung gab für die nun beginnende Walfangsaison statt 999 sogar 1.278 Zwergwale zum Abschuss frei. Paradox, wurden doch im Vorjahr mit 432 Tieren so wenige Zwergwale getötet wie seit 20 Jahren nicht mehr. Auch waren mit nur elf Walfangbooten knapp halb so viele Boote beteiligt wie im Jahr zuvor. „Dass die steigenden Quoten sinkenden Fangzahlen und einer schwindenden Nachfrage gegenüberstehen, ist klares Indiz dafür, dass der norwegische Walfang nur aus politischen Gründen aufrechterhalten wird“, sagt Nicolas Entrup von OceanCare.

Minkwal

Minkwal, Foto: © GREMM

Irreführende Berechnung von Fangquoten
Die norwegische Regierung behauptet, die Fangquoten würden den Berechnungsgrundlagen des Wissenschaftsausschusses der Internationalen Walfangkommission (IWC) entsprechen. Weit gefehlt: “Norwegen schraubt eigenmächtig an den seitens der IWC festgelegten Variablen, sodass anstelle von 300 Zwergwalen im Nordostatlantik plötzlich 1.278 Wale als nachhaltige Fangquote gelten sollen“, so Entrup. „Führende Wissenschaftler stufen die eigenmächtigen Quoten von Norwegen – und übrigens auch die von Island – als nicht nachhaltig ein. Der kommerzielle Walfang ist grausam, nicht notwendig und nicht nachhaltig. Das weltweite Verbot muss endlich umgesetzt werden!“ fordert Entrup. Der norwegische Walfang steht seit 2016 vermehrt in der Kritik.

Islands Walfang am Wendepunkt?
Auch in Island klaffen Quote und tatsächlicher Fang weit auseinander: Fischer dürfen 2018 bis zu 209 Zwergwale töten, tatsächlich waren es in den vergangenen beiden Jahren nur 46 beziehungsweise 17 Tiere. „Die Isländer selbst essen kaum noch Walfleisch, derzeit sind vor allem Touristen die Abnehmer. Sie wollen Walfleisch probieren und ignorieren dabei, dass sie hierdurch die Jagd auf Zwergwale finanzieren“, so Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. Zudem gibt Island als einziges Land der Welt die Jagd auf die bedrohten Finnwale frei: Der einflussreiche Millionär Kristjan Loftsson darf auch 2018 bis zu 154 Finnwale töten – jedoch verzichtete er in den vergangenen zwei Jahren auf die Jagd, weil die erhofften Exporte von Finnwalfleisch nach Japan stockten. Die neue Regierung muss schon bald entscheiden, ob sie auch künftig wieder Quoten erteilt: „Gerade jetzt wäre Druck der Europäischen Union besonders wichtig, damit die Jagd auf Finnwale endet“, betont Altherr.

EU in der Pflicht
Seit Bestehen des Walfangverbotes fielen im Nordostatlantik circa 15.000 Wale explosiven Harpunen zum Opfer. Es verwundert, dass angesichts dieses Ausmaßes der Bejagung „kommerzieller Walfang“ nicht einmal mehr ein eigener Agenda-Punkt der Internationalen Walfangkommission ist. Zuletzt kritisierten die IWC-Länder den kommerziellen Walfang offiziell im Jahr 2001. Dieses Schweigen der IWC nutzen Island und Norwegen als Argument, ihre Jagd sei akzeptiert.

Zumindest das EU-Parlament wurde aktiv: In einer scharfen Resolution forderte es Norwegen im September 2017 auf, den Walfang endlich einzustellen. Nun erhoffen sich die Walschützer, dass die Europäische Union auf der nächsten IWC-Tagung den Worten auch Taten folgen lässt.

„Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dürfen den kommerziellen Walfang in europäischen Gewässern nicht länger tolerieren. Wir erwarten konkrete politische und diplomatische Schritte gegenüber Island und Norwegen“, sagt Astrid Fuchs von WDC abschließend. Die nächste Walfangtagung findet vom 10. bis 14. September 2018 in Brasilien statt.

Infos: www.whales.org.

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