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Rubrik: Umwelt

Zuchtlachs: Futterzugaben schädigen Hummer

Freitag, 19. Oktober 2018, 10:35

Teflubenzuron wird in einigen Fällen dem Futter von Zuchtlachs zugesetzt, um Seeläusebefall zu behandeln. Das norwegische Havforskningistituttet hat Spuren der Chemikalie auf dem Meeresboden in der Nähe von Fischfarmen gefunden und dann untersucht, wie sich Teflubenzuron auf Krebstiere, wie zum Beispiel Hummer, auswirkt

Hummer

Junger Hummer, Foto: © Eva Farestveit/Havforskningsinstituttet

Das Geschäft mit Zuchtlachs hat erhebliche Schattenseiten, das ist lange bekannt. Zu den Problemen der Lachsfarmen zählen unter anderem die Überfütterung mit Antibiotika gegen die Ausbreitung von Keimen, die auf eine zu hohe Fischdichte in den Aquakulturen zurückzuführen sind. Zudem werden die Zuchtlachse von Parasiten befallen. Seeläuse sind vor allem in Aquakulturen in Chile ein Problem. Belange des Tierwohls, der Umwelt und der Gesundheit spielen nur eine untergeordnete Rolle, sie werden dem Bestreben nach Gewinnmaximierung untergeordnet – wir berichteten.

Aquakultur in Norwegen

Lachszucht in Norwegen, Foto: © Brataffe [CC BY-SA 4.0 ], from Wikimedia Commons

Jetzt konnten norwegische Forscher im Meeresboden rund um Fischfarmen die Chemikalie Teflubenzuron nachweisen. Bei dem Mittel handelt es sich um einen Chitinsynthesehemmer der bei Befall mit parasitären Krebstierchen – also von Seeläusen – eingesetzt wird. Das Mittel hemmt die Entwicklung der Parasiten, indem es die Chitinsynthese, also die Bildung des Panzers, der Scheren und des gesamten Außenskelets, stört. Bei den Seeläusen (Lepeophtheirus salmonis) handelt es sich um eine Ruderfußkrebsart, die zu den Krebstieren gehören – genau wie Hummer.

Die Forscher vermuteten, dass die Hummer auf Teflubenzuron reagieren. Sie setzten junge Tiere dem Mittel aus. „Wenn Hummer über einen längeren Zeitraum Teflubenzuron über ihre Nahrung verzehren, entwickeln sie nach einem Schalenwechsel steife Gelenke und Antennen. Sie scheinen eine Art Arthritis zu bekommen", erklärt die Meeresforscherin Ann-Lisbeth Agnalt.

Alessandro Cresci

Alessandro Cresci platziert einen Hummer in der Versuchsanordnung, Foto: © Alessandro Cresci

In einem Experiment stellten Wissenschaftler junge Hummer in einen länglichen Tank mit einem Schutzraum am anderen Ende. Sie beobachteten, wie lange es dauerte, bis die Hummer den Unterschlupf fanden und ihn betraten. 19 Hummer erhielten bis zwei Wochen vor dem Experiment teflubenzuronhaltiges Futter und 19 erhielten normales Futter.

Die unbelasteten Hummer brauchten etwas mehr als fünf Minuten, um den Unterschlupf zu erreichen. Die mit dem Entlausungsmittel belasteten Hummer benötigten über 18 Minuten, zwei fanden nicht einmal den Unterschlupf.

„Die unbelasteten Hummer benutzten ihre Antennen, um sich an der Wand entlang zu bewegen. Sie erkundeten den ganzen Raum, fanden den Schutzraum und gingen direkt hinein. Aber die Hummer, die Entlausungsmittel erhalten hatten, nutzten ihre Antennen nicht in gleicher Weise aktiv. Sie machten ein paar kleine Schritte vorwärts, bevor sie sich wiederholt umdrehten und zum Ausgangspunkt zurückkehrten.", erklärt Alessandro Cresci, Hauptautor der kürzlich in der Zeitschrift Ecotoxicology and Environmental Safety veröffentlichten Studie.

Im Experiment wurden die jungen Hummer über einen Zeitraum von acht Wochen mit Teflubenzuron in Konzentrationen gefüttert, die in der natürlichen Umgebung vorkommen.

„Lachse werden mit dem Mittel sieben Tage lang behandelt, aber Lachskot und Abfallfutter bleiben auf dem Meeresboden, so dass Hummer und andere Tiere noch viel länger Teflubenzuron zu sich nehmen können. Teflubenzuron wurde auf dem Meeresboden 1.100 Meter von Fischfarmen entfernt gefunden", sagt Ann-Lisbeth Agnalt.

„Die Auswirkungen von Chemikalien zur Entlausung auf das Verhalten, die räumliche Orientierung und die kognitiven Fähigkeiten können mehrere Arten betreffen, die auf dem Meeresboden leben.", sagt Alessandro Cresci.

Infos: https://www.hi.no.

Link zur Studie: https://doi.org/10.1016/j.ecoenv.2018.05.021.

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