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Rubrik: Umwelt

Zuchtlachs zwischen Antibiotika und Gentechnik

Montag, 30. November 2015, 11:11

Was den Zuchtlachs angeht, so kommen aus den USA derzeit keine guten Nachrichten: Zum einen ist kürzlich genmanipulierter Lachs für den Verkauf und Verzehr freigegeben worden und zum anderen nehmen große Einzelhandelsketten Lachs aufgrund von Antibiotika-Überdosierungen aus dem Programm

Lachsfarm in Finnland,

Lachsfarm in Finnland, Foto: © Plenz (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Die Weltmeere sind überfischt, der Bedarf an Fisch ist hoch, und so blüht das Geschäft mit Zuchtfisch. Fischfarmen sind äußerst lukrativ. Aber auch der Wettbewerb ist groß. Um maximalen Gewinn zu erzielen müssen daher Prozesse gestrafft werden, die Anzahl der Tiere pro Netzgehege maximiert werden, und die Fische sollten möglichst schnell wachsen und dabei viel Fleisch ansetzen.

Zwei Baustellen, eine Ursache
Um diese Ziele zu erreichen versuchen Farmbetreiber, die Fischdichte zu erhöhen – auch über ein vernünftiges Maß hinaus. Das schafft Probleme, die uns zur ersten Baustelle führen, dem Einsatz von Antibiotika. Die qualvolle Enge in den Netzgehegen ist nicht nur für die Fische eine Tierqual sondern erhöht auch die Gefahr einer Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten. Um das zu verhindern setzen vor allem chilenische Lachsfarmen massenhaft Antibiotika ein, die sie zufüttern. Chile ist der zweitgrößte Zuchtlachsproduzent der Welt und setzte in der Lachszucht im Jahr 2008 350 Mal mehr Antibiotika ein als Norwegen, dem größten Lachsproduzenten der Welt. Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ist allgemein bekannt, ebenso die Probleme, die damit einhergehen: die Gefahr der Ausbildung von Antibiotikaresistenzen gegenüber Keimen sowohl bei den Tieren als auch letztlich beim Menschen, der diese Tiere samt Antibiotika verzehrt. Eine große US-Einhandelskette hat jetzt die Konsequenzen gezogen und den Antibiotika-Lachs aus den Verkaufstheken verbannt.

Lachssteak

Lachssteak, Foto: © FL16, Wikimedia

Gewinnmaximierung geht aber auch ganz anders: Man programmiert ganz einfach den Fisch um. Wodurch? Durch Genmanipulation. Das ist unsere Baustelle Nummer zwei. Die US-Lebensmittelbehörde FDA hat gentechnisch veränderten Lachs zum Verkauf und Verzehr freigegeben – ohne Kennzeichnungspflicht übrigens … Der Gen-Lachs wächst schneller und wird größer als normaler Lachs. Der Widerstand gegen diese Zulassung ist auch in den USA groß, übrigens auch aus dem Lager konventioneller Fischzüchter. Dort wurde der manipulierte Fisch von Gegnern in Anlehnung an Frankensteins Monster bereits „Frankenfish" getauft. Die Zulassung ist ein Tabubruch: Der „Frankenfish“ ist das erste in den USA als Lebensmittel zugelassene, gentechnisch veränderte Tier.

Hergestellt wird der Gen-Lachs von der Firma AquaBounty Technologies aus dem US-Bundesstaat Massachusetts in Produktionshallen – zurzeit in Panama mit Fischeiern aus Kanada. Das schone Meere und Flüsse, so die Firma. Dennoch befürchten Gegner, dass der Fisch ausreißen und doch in natürlichen Gewässern landen und sich dort vermehren könne. Ob und wann der „Frankenfish" tatsächlich in den Handel und damit auf die Teller der Verbraucher kommt ist bisher ungewiss. Für uns Europäer heißt es jetzt jedenfalls aufpassen: Ein wesentlicher Streitpunkt beim geplanten EU-USA-Handelsabkommen TTIP ist die Einfuhr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln.

"Salmon Run" in Alaska

Natürlicher Lachs beim „Salmon Run" in Alaska, © SWAT TEAM/Werner Thiele

Ausgebüxt
Eine weitere große Gefahr mariner Aquakulturen ist, dass Zuchtfische entkommen und mit ihnen Krankheiten, Parasiten sowie genetische Auffälligkeiten, die sie an freilebende Fischpopulationen übertragen. Ein eindrückliches Beispiel ist das Problem ebenfalls weitgehend resistenter Seeläuse in Chile, die geradezu zu „Super-Läusen" mutieren und sowohl gefangene als auch freilebende Fische bedrohen und töten können.

Dreckige Industrie
Die stetig expandierende Zucht von Lachsen und anderen Fischen in Netzen oder Käfigen im Meer stellen eine potenzielle Bedrohung für unsere Gesundheit und die Ökosysteme aber auch für die Fischerei dar. Davon ist jedenfalls die US-amerikanischen Organisation Food & Water Watch überzeugt, die die Branche als dreckige und teuere Industrie bezeichnet. Eine Broschüre der Organisation informiert anschaulich über die Gefahren mariner Aquakulturen (PDF).

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